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Zurück in der alten Welt – wie ich mich nach der Weltreise fühle

Und plötzlich war der Moment des Abschieds gekommen von meiner fast eineinhalbjährigen Reise in 15,5 Länder auf vier Kontinenten.

Ich wollte ganz bewusst ankommen. Als wir in Frankfurt landeten, stellte ich mir vor, wie ich gleich noch einmal tief einatmen würde, und dann wie in Zeitlupe behutsam meinen Fuß auf heimatlichen Boden setze, während vielleicht über mir eine Sternschnuppe ungesehen einen Bogen im orange leuchtenden Flughafenhimmel beschreibt.

Aber ich stieg als Letzte aus der Rynairmaschine, hetzte schnell zum bereits vollen und wartenden Bus und hatte damit die Gelegenheit verpasst, meine Ankunft achtsam einzuleiten.

Die letzten Wochen vor der Abreise war ich unruhig, unsicher darüber, wie es sein wird, wieder hier zu sein. Täglich erreichten mich Nachrichten voller Vorfreude über meine Rückkehr, nur ich war eher in Traurigkeit gefangen, darüber dass die Zeit, die so schön und wichtig für mich war, nun wirklich dem Ende zugeht.

Aber dann kam alles anders, wie so oft. Es war ein sanfter Übergang aus dem argentinischen Frühling in den deutschen Herbst. Das Wetter spielte mit und beschenkte mich mit einem Sonnentag nach dem anderen, wie soll da schlechte Laune aufkommen. Die Temperaturen sind immer noch angenehm und mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht überquerte ich am Tag nach der Ankunft – nun endlich in achtsamem Bewusstsein – mit dem Fahrrad die Brücke nach Mainz.

Wenn man um die Welt reist, in einem neuen Land ankommt, sind die Sinne geschärft. Die Farben leuchten intensiver, die Gerüche nimmt man stärker wahr, alles, was anders ist als zu Hause, strahlt einem förmlich entgegen. Man fühlt sich lebendig, die Aufmerksamkeit für das, was von außen auf einen einströmt, ist um ein Vielfaches erhöht.

Je länger man an einem zunächst unbekannten Ort bleibt, desto vertrauter wird einem das Neue bis es einem irgendwann normal vorkommt. Man fängt an, sich mehr mit der Politik eines Macri zu beschäftigen als mit der eines Macron oder einer Merkel.

Was ich nicht gedacht hätte: Die Reise war lang genug, um mir eine neue Perspektive auf das Vertraute zu geben. Plötzlich nehme ich alles viel intensiver wahr in der fremden Heimat. Eineinhalb Jahre haben ausgereicht, um den Blick aufs vermeintlich Altbekannte zu schärfen und Orte, kulturelle Eigenschaften, Personen mit einem Mal neu zu sehen.

So viele Wohnungen und Häuser betrete ich zum ersten Mal seit langem. Und bin überrascht, dass ich ihren Geruch wahrnehme. Diesen jeder Wohnung eigene Geruch, der sich in jedem Mikrokosmos etwas anders zusammensetzt. An den man sich, wenn man regelmäßig dort ist, so gewöhnt hat, dass man ihn gar nicht mehr riechen kann, auch wenn man es versuchen würde.

Es ist weniger ein „Reverse Culture Shock“ als ein neugieriges Blicken auf das eigentlich Bekannte, die frische Perspektive auf das bereits tausendmal Gesehene. Das Wiedereingewöhnen an das, was einmal meine Normalität war.

Nach knapp drei Wochen zögere ich immer noch manchmal, wenn ich mein Toilettenpapier in die Toilette werfe (und nicht in den bereitstehenden Papierkorb, um eine Verstopfung zu vermeiden), bin immer noch überrascht, wenn mich ein Autofahrer mit dem Rad vorlässt.

Ich sehe beides: Den Missmut, vor dem ich mich gefürchtet habe. Die beiläufige Freundlichkeit, die ich vergessen hatte. Den Luxus, den wir hier genießen, der plötzlich wieder als solcher hervortritt. Beispielsweise, wenn mir beim Spülen des Geschirrs erst einfällt, dass es eine Spülmaschine gibt.

Neben dem Altbekannten und dem Vergessenen drängt sich noch das Neue im Alten auf. Die vollen Straßen von Buenos Aires lassen mir Mainz fast ausgestorben erscheinen. An meinem ersten Tag fragte ich mich, ob Feiertag ist, weil so wenig los war. Und begriff dann, dass es nur meine Perspektive war, die sich geändert hat, nicht das Umfeld.

Zurückzukommen war wie einen Pulli überzustreifen, von dem ich dachte, dass er nicht mehr passt. Und doch fühlte er sich seltsam vertraut an und mit Erstaunen stellte ich fest: Er ist ziemlich bequem und kratzt nicht.

Der Blick in den Spiegel verriet: Er sah auch ganz gut aus. Und dann habe ich mich umgedreht und zu meinem Rucksack geschaut, aus dem ich immer noch lebe. Da lugte die Kleidung hervor, die ich die letzten Monate getragen habe. Ich wechselte den Deutschlandpulli gegen meine pinke Reisefleecejacke. Auch diese saß gut. Auch diese stand mir gut.

Ich begriff, dass ich mich nicht entscheiden muss. Dass ich nicht den einen Pulli entsorgen muss, um den anderen zu tragen. Und das ist ein gutes Gefühl.

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