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Zwei Wochen auf einem Bauernhof in Patagonien im Süden Chiles – das Ziel: Land und Leute besser kennenlernen, Spanisch üben, die Natur genießen. Ich wohne bei einer alleinstehenden Bäuerin Anfang 60 zusammen mit Schafen, Alpacas, Hunden, Katzen, Hühnern, einer Sau und jeder Menge Erdbeeren. In unmittelbarer Nähe ragen die schneebedeckten Gipfel der umliegenden Berge in die Höhe. Das Land ist rau, starker Wind ist an der Tagesordnung und das Wetter kann von einer Sekunde von Sonne zu Dauerregen wechseln. Englisch spricht hier niemand – perfekt, um meine sehr grundlegenden Spanischkenntnisse auszubauen. In einem Tagebuch habe ich meine Erlebnisse festgehalten.

Wie ein Michelin-Weiblein…

Der Tag der Abreise ist gekommen. Um 13 Uhr müssen wir los, sagt die Bäuerin. Meine neue Entspanntheit führt dazu, dass ich um 12 Uhr mittags noch nicht mit dem Packen fertig bin. Ist ja noch eine Stunde. Dafür wird die Bäuerin langsam nervös.  Ich solle doch mein Gepäck schon mal ins Wohnzimmer bringen. Geht nicht, erkläre ich ihr, ist ja noch nicht fertig gepackt.

Das Handgepäck schon, das wiege ich direkt auf der Erdbeerwage. Sechseinhalb Kilo, Mist. Eineinhalb zu viel. Ich habe gelesen, dass die Airline scharf ist bei Gewicht. Aber Spiegelreflex und Computer müssen im Handgepäck reisen. Vorschrift ist Vorschrift. Ich verlagere was geht in meine Jackentaschen. Werde heute sowieso wie ein Michelin-Weiblein durch die Gegend spazieren.

Als hätte das Wetter es gewusst, ist heute mal ein richtig warmer Tag. Perfekt also, um einen Kapuzenpulli, eine Fleecejacke und eine Regenjacke übereinander anzuziehen. Zumindest die Daunenjacke hat noch in den Rucksack gepasst.

Das Haus

 

Ein Buch für die guten Gäste

Ich beende noch meinen Eintrag in das Gästebuch, den ich bereits vor ein paar Tagen angefangen hatte, aber den ich aufgrund schlechten Internetempfangs noch nicht ganz fertig übersetzt habe. Das Gästebuch ist den Gästen vorbehalten, die die Bäuerin mag. Es ist also eine Ehre, dass ich hineinschreiben darf. Die Besucher*innen, die die Bäuerin nicht mag, erfahren von der Existenz des Buches erst gar nicht. Sie wird meinen Eintrag erst nach meiner Abfahrt lesen, hat mir die Bäuerin versichert.

Kurz vor 13 Uhr esse ich dann schnell noch ein paar kalte Käsespätzlereste, um mich für den Flug zu stärken. Pünktlich kommen wir dann doch nicht ganz los, aber dieses Mal ist die Bäuerin gelassen und ich werde langsam nervös. Denn um halb 2 wartet der Shuttle-Bus auf mich in El Blanco, um mich zum Flughafen zu bringen.

Abschied

Auf dem Weg vom Grundstück zur Straße verabschiede ich mich dann noch mal von der Farm und bringe dabei alle meinen neuen Spanischen Wörter unter bzw. lasse mir von der Bäuerin helfen. Tschüss Haus, tschüss Sau, tschüss Schafe, tschüss Schafsbock, tschüss Alpacas. Tschüss Hühner, tschüss Hunde, tschüss Erdbeeren. Tschüss Berge, tschüss seltsame Vögel, tschüss Hügel neben dem Haus.

 

Unsere Autoreifen sind ziemlich platt und so merkt man jeden Stein auf der unbefestigten Straße. Die Bäuerin erklärt mir, dass sie je nach Straße immer etwas Luft ablassen würde. Gut fühlt es sich nicht an und das Auto, das die letzten Tage von einem Nachbarn repariert wurde (hat fünf Minuten gedauert und jetzt springt es wieder problemlos an), gibt komische Geräusche von sich. Ich hoffe es hält zumindest noch die nächsten fünfzehn Minuten durch. Kommt es mir nur so vor, oder stottert der Motor? Jetzt gilt es Ruhe zu bewahren.

Es sind noch knapp zwei Kilometer nach El Blanco und wir fahren immer langsamer. Inzwischen sind wir beim Tempo Schnecke angekommen. Pünktlich um halb zwei klingelt das Handy der Bäuerin. Netterweise hat sie beim Buchen des Shuttles ihre Nummer angegeben, damit wir auch erreichbar sind. Die Bäuerin erklärt selbstbewusst, wir wären quasi um die Ecke.

Als wir dann in El Blanco ankommen, wartet der Shuttle zum Glück immer noch. Viel Zeit für Emotionalität bleibt uns nicht, denn der Fahrer steht schon abfahrtsbereit vor dem Kleinbus. Eine kurze Umarmung für den Enkel und für die Bäuerin muss reichen. Diese nimmt mir das Versprechen ab, Bescheid zu geben, wenn ich angekommen bin und mich zu melden, wenn es Probleme gibt.

Und dann sitze ich auch schon mit meinem kleinen und großen Rucksack im Shuttle zum kleinen Flughafen von Balmaceda, um meine Reise in den noch tieferen Süden Patagoniens anzutreten.

Es waren zwei Wochen, die es in sich hatten – hier geht’s zum Fazit:

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