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Zwei Wochen auf einem Bauernhof in Patagonien im Süden Chiles – das Ziel: Land und Leute besser kennenlernen, Spanisch üben, die Natur genießen. Ich wohne bei einer alleinstehenden Bäuerin Anfang 60 zusammen mit Schafen, Alpacas, Hunden, Katzen, Hühnern, einer Sau und jeder Menge Erdbeeren. In unmittelbarer Nähe ragen die schneebedeckten Gipfel der umliegenden Berge in die Höhe. Das Land ist rau, starker Wind ist an der Tagesordnung und das Wetter kann von einer Sekunde von Sonne zu Dauerregen wechseln. Englisch spricht hier niemand – perfekt, um meine sehr grundlegenden Spanischkenntnisse auszubauen. In einem Tagebuch habe ich meine Erlebnisse festgehalten.

Tiefenentspannte Spazierfahrten

Morgens habe ich dann doch noch einmal ein paar Erdbeeren gepflückt, denn ein paar Kilo haben noch gefehlt für die Lieferung heute. Danach sind wir stundenlang durch Coyhaique gefahren, um Erdbeeren auszuliefern. Ich bin inzwischen tiefenentspannt bei derlei Ausflugsfahrten. Was genau passiert, verstehe ich eh nicht und wenn ich mal was verstanden habe (bzw. glaube verstanden zu haben), gibt es garantiert eine Planänderung.

Im Auto ist es warm und trocken und im Gegensatz zum Bauernhof habe ich hier guten Internetempfang und so buche ich mein Hostel, denn morgen werde ich schon in Punta Arenas sein – im tiefen Süden Patagoniens. Außerdem nutze ich die Zeit, etwas zu recherchieren und Nachrichten zu verschicken, während wir durch die Gegend tuckern.

Tacos und Cremchen für die Händchen

Spontan halten wir beim Haus der Tochter, deren Sohn wir gerade babysitten und ich weiß mal wieder nicht, was passiert. Es ist eine nette Überraschung, denn es gibt Mittagessen, sehr leckere Tacos! Diese Tochter lebt mit ihrem Sohn alleine. Dafür ist das Haus riesig. Wenn ich die Bäuerin richtig verstanden habe, ist die Tochter Ingenieurin im Bauwesen. Im Gegensatz zu den anderen beiden Töchtern, die ich kennengelernt habe, ist sie stets perfekt geschminkt und in High Heels unterwegs.

Danach gehen wir einkaufen. In einen kleinen Laden. Denn die Bäuerin mag keine Supermärkte und auch wenn sie sonst sehr aufs Geld schaut, geht sie lieber in einen der teureren Tiendas als in die großen Supermercados. Wobei ich mir bei der Preisgestaltung nicht ganz sicher bin, inwiefern die kleinen Läden hier tatsächlich teurer sind, das versuche ich noch zu ermitteln. Ich gönne mir ein Cremchen für die Hände – es gibt nur eines, eine 50 Milliliter-Dose die kostet 2,50 Euro. Das sind mir meine rauen Hände auf jeden Fall wert.

Mein letztes Abendmahl: Muscheln

Die Bäuerin fragt mich, ob ich Meeresfrüchte mag. Also, das ist so eine Sache. Eigentlich bin ich nämlich kein großer Meeresfrüchtefan. Aber an Weihnachten habe ich brav die maritimen Empanadas gelobt (die eigentlich nicht wirklich nach meinem Geschmack waren) und jetzt komme ich aus der Nummer nicht mehr so richtig raus. Die Bäuerin kauft eine riesen Ladung verschiedener Muscheln ein.

Ich habe den Verdacht, dass es zur Ehre meines letzten Abendmahls dieses außergewöhnliche Essen gibt. Vielleicht aber auch für den Nachbarn, der später noch zu Besuch kommt. Ganz sicher bin ich mir nicht. So oder so ziehe ich den Darm ab, kneife die Augen zusammen und stecke mir das Fleisch in den Mund. Es ist gar nicht so übel, nur manchmal ein wenig zäh. Dazu gibt es lila Kartoffeln aus dem Gewächshaus. Da Muschelessen eine ziemliche schmutzige Angelegenheit ist, gibt es leider kein Foto von diesem Event. Aber zumindest von den lila Kartoffeln, die ich auch schon mittags gegessen habe:

 

Zusammen mit dem Enkelsohn treibe ich die Schafe ein und oh Wunder, sie laufen direkt beim ersten Mal in das Gehege und ich komme mir vor wie eine Profischafeintreiberin. Vielleicht ist in Wirklichkeit aber auch der Enkelsohn der Profi.

 

„LEBEN!“

Abends bekomme ich einen Energieschub. Es ist nach 22 Uhr und immer noch hell, aber langsam macht sich seltsames Zwielicht breit. Ich renne auf den Hügel neben dem Haus und einem Impuls folgend rufe ich laut „Leben“ in die Welt. Naja, so richtig laut ist es noch nicht. Also räuspere ich mich und probiere es noch mal mit mehr Kraft: „Leben!“. Irgendwo in der Ferne antwortet eine Kuh. Beim dritten und dieses Mal wirklich lauten Rufen des Wortes „Leben“ fängt der Hund, der mir gefolgt ist, an zu bellen und ich lasse es damit gut sein. Nicht dass sich noch jemand Sorgen macht, weil ich lebe.

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