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Zwei Wochen auf einem Bauernhof in Patagonien im Süden Chiles – das Ziel: Land und Leute besser kennenlernen, Spanisch üben, die Natur genießen. Ich wohne bei einer alleinstehenden Bäuerin Anfang 60 zusammen mit Schafen, Alpacas, Hunden, Katzen, Hühnern, einer Sau und jeder Menge Erdbeeren. In unmittelbarer Nähe ragen die schneebedeckten Gipfel der umliegenden Berge in die Höhe. Das Land ist rau, starker Wind ist an der Tagesordnung und das Wetter kann von einer Sekunde von Sonne zu Dauerregen wechseln. Englisch spricht hier niemand – perfekt, um meine sehr grundlegenden Spanischkenntnisse auszubauen. In einem Tagebuch habe ich meine Erlebnisse festgehalten.

Die zweitjüngste Tochter, die ich nur an Heiligabend kurz kennengelernt habe, kommt mit ihrem Freund zu Besuch. Auch wenn die anderen beiden Töchter sehr nett sind, ist mir diese irgendwie am sympathischsten. Sie ist Lehrerin und wir unterhalten uns ein wenig.

Heute habe ich keine Erdbeeren gepflückt! Nach den vielen Kilos, die wir die letzten Tage geerntet haben, ist dies durchaus eine Erwähnung wert. Ganz frei nehmen konnte ich mir allerdings auch an Weihnachten nicht, denn mal wieder fehlt eine große Gruppe von Schafen.

Ausgebüchste Schafe und kaputte Zäune

Zusammen mit Regalo, dem freilaufenden Hund, mache ich mich auf die Suche. Die Sturmböen der letzten Tage haben einen Zaun eingedrückt und so ist eine Gruppe der Schafe nun auf einer Weide unterwegs, die für den Herbst vorgehalten werden sollte. Zusammen mit dem Hund habe ich viel Mühe, alle wieder auf die richtige Seite zu treiben. Ich weiß nicht, wie man mit Schäferhunden arbeitet und da dieser der Bäuerin zugelaufen ist (deshalb auch der Name Regalo = Geschenk), bin ich auch unsicher, ob er überhaupt als ein solcher ausgebildet wurde.

Ohne Hund wäre ich zwar komplett aufgeschmissen, aber mit Hund entstehen auch manchmal Situationen, die zum Lachen sind. So wenn der Hund den Schafen, die schon fleißig in die Richtung des Gatters traben, das sie wieder auf die „richtige“ Weide bringt, bellend den Weg abschneidet, so dass sie verschüchtert wieder zurück in die falsche Richtung laufen. Nach viel Hin- und Hergerenne meinerseits, sind dann endlich wieder alle Schäfchen dort, wo sie sein sollen und der Hund, ich und die Schafe sind gleichermaßen außer Atmen. Tja, auch Schafe hüten will gelernt sein…

Damit sie nicht direkt wieder den Weg zur saftigeren Weide antreten, muss ich nun den Zaun reparieren. Wäre doch gelacht, wenn ich das nicht hinbekäme! Ausgestattet mit einer Kombizange und einer Handvoll alter Drähte mache ich mich daran, das Gatter wieder einsatzfähig zu bekommen. Mit dem Ergebnis bin ich zwar nicht unbedingt zufrieden, aber bis zum nächsten Sturm sollte es halten.

Wind und Wäsche

Wenigstens ist der Wind beim Wäschewaschen hilfreich. Dieses Mal habe ich in der Maschine gewaschen, was nicht bedeutet, dass man eine Stunde nichts zu tun hätte. Im Gegenteil. Die Maschine ist nämlich nicht ausbalanciert, was zur Folge hat, dass ständig Wasser ausläuft, das man wieder aufwischen muss. Wäscheleine gibt es nicht, schließlich ist der Drahtzaun eine perfekte Leine, richtig?

 

Im Hintergrund schnuppert währenddessen die Sau an meinen Socken. Eine Sau ist in Chile eine Chancha – die Bäuerin konnte nicht glauben, dass ich das Wort nicht kenne – sollte auch wirklich zum Grundwortschatz jeder Spanischanfängerin gehören, richtig? Schließlich fängt es mit „ch“ an und das ist in Chile der Lieblingsbeginn von Wörtern!

Was das Essen angeht, war heute der Tag des Nachtisches. Die Bäuerin hat Grießpudding gemacht und eine Art Kuchen aus Grieß, den es zusammen mit (einmal darfst du raten!) Erdbeersauce gibt. Sehr lecker! Genauso gut schmeckt ein anderer Nachtisch, der mich an Flan erinnert, aber im Ofen gebacken wird: Leche Asada.

Abreise verschoben

Eigentlich war abgemacht, dass ich morgen abreise. Leider gibt es aber keinen Bus am nächsten Tag, der in die richtige Richtung fährt. Das Flugzeug fliegt auch nur einmal in der Woche. Nach eingehender Recherche und der Erkenntnis, dass mich die Reise im Bus vier Tage kosten würde und teurer wäre als das Flugzeug, buche ich notgedrungen mal wieder den Flieger, der sich einmal in der Woche auf die Reise in den Süden macht – im gefühlt zehnten Anlauf, denn meine Kreditkarten funktionieren hier nicht immer auf Anhieb und dann lässt mich oft das Internet im entscheidenden Augenblick im Stich.

Der Online-Auftritt der Airline wirkt sehr „privat“ und die Preisstruktur erschließt sich mir ganz und gar nicht, weder auf Englisch noch Spanisch. Prompt ruft die Bäuerin für mich bei der Airline an, um sich zu versichern, dass ich den richtigen Tarif gebucht habe und um nachzufragen, wieviel Gepäck ich mitnehmen darf.

Abends treibe ich dann mit großen Erfolg – soll heißen, ohne dass etwas schiefläuft – die Schafe ein und fühle mich endlich wie eine richtige Schäferin.

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