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Zwei Wochen auf einem Bauernhof in Patagonien im Süden Chiles – das Ziel: Land und Leute besser kennenlernen, Spanisch üben, die Natur genießen. Ich wohne bei einer alleinstehenden Bäuerin Anfang 60 zusammen mit Schafen, Alpacas, Hunden, Katzen, Hühnern, einer Sau und jeder Menge Erdbeeren. In unmittelbarer Nähe ragen die schneebedeckten Gipfel der umliegenden Berge in die Höhe. Das Land ist rau, starker Wind ist an der Tagesordnung und das Wetter kann von einer Sekunde von Sonne zu Dauerregen wechseln. Englisch spricht hier niemand – perfekt, um meine sehr grundlegenden Spanischkenntnisse auszubauen. In einem Tagebuch habe ich meine Erlebnisse festgehalten.

Vorbereitungen fürs große Fest

Heute gab es ein großes Fest bei uns auf dem Hof. Anwesend war die Frauengruppe, die ich bereits zu Beginn meines Aufenthaltes hier kennengelernt hatte. Und ein paar vereinzelte Männer, die ich nicht ganz zuordnen konnte.  Ich tippe auf Ehemänner bzw. erwachsene Söhne.

Die ersten Gäste sind bereits um 10 Uhr angekommen. Dann wurde im Haus zusammen Essen vorbereitet. Morgens hatte ich noch gefragt, ob wir Erdbeeren brauchen und die Bäuerin hatte verneint. Kaum sind die ersten Gäste da, werde ich doch aufs Erdbeerfeld geschickt. Hätte ich gewusst, wofür die Erdbeeren sind, hätte ich schneller gepflückt. Sie werden püriert und gezuckert und dann mit Rotwein gemixt. Mhhhh, ich bin zwar kein Rotweinfan, aber dieser Cocktail ist nach meinem Geschmack. Erdbeerwein vom Feinsten!

Interessanterweise macht mich der Besuch der Frauengruppe ein wenig traurig. Ich muss an meine Freundinnen zu Hause denken, mit denen ich auch oft zusammen koche und esse. Wenn auch nicht zu Weihnachten im Sommer. Ich mache mir einen Kaffee, was von einer der Frauen freundlich mit „Ah, du trinkst ein Käffchen“ kommentiert wird.

Mamachen, kannst du mir das Käffchen im Tässchen auf dem Tischchen reichen?

In diesem Zuge sollte ich vielleicht eine weitere Besonderheit des chilenischen Spanisch anführen: Die Eigenschaft, alles zu verkleinern, indem dem Wort ein „ita“ oder „ito“ angehängt wird. So wird aus „un momento“ (ein Moment) ein „momentito“ (Momentchen), aus dem „chico“ (Junge) ein „chicito“, aus der „mama“ eine „mamita“ und aus dem „mesa“ (Tisch) ein „mesita“ (Tischchen). Es gibt kaum ein Substantiv, das nicht durch das Anhängen des Suffixes ita/ito verniedlicht werden kann. Mir persönlich gefällt diese Eigenheit gut, denn die sich daraus ergebende Verlängerung des Wortes (im Gegensatz zur sonst eher üblichen Verkürzung) lässt mir etwas mehr Zeit, dieses aufzufassen und zu verarbeiten.

Asado al Palo – die chilenische Art zu grillen

Mittags ziehen wir dann in die Scheune um. Das Feuer ist bereits geschürt und das Lamm von gestern wird an einem Eisenkreuz über diesem gegrillt. Das ganze Prozedere dauert mehrere Stunden. Währenddessen trinken wir Erdbeerwein und Sprite und bereiten den Rest des Essens vor: verschiedene Salate, lila Kartoffeln und selbstgemachtes frittiertes Brot (sehr lecker!). Die Bäuerin verkündet laut, dass ich super Salatdressing mache und so bereite ich eine Tasse Sauce a la Gringa zu.

 

Ich unterhalte mich ein wenig mit den Gästen, die alle freundlich zu mir sind, aber für ein richtiges Gespräch – so wie ich es durchaus in anderen Ländern schon auf Spanisch geführt habe – reichen meine Kenntnisse hier einfach nicht aus.

Endlich ist das Schaf fertig und es gibt Essen. Ich lande natürlich genau an dem Platz vor dem Fleischteller. Es dauert erstaunlich lange, bis auffällt, dass ich mir nichts von dem Schaf nehme. Vegetarismus ist hier einfach nicht verbreitet, aber als Fremde lassen sie es mir durchgehen. Dafür entdecke ich mein neues chilenisches Lieblingsgericht: Pebre. Ein Salat aus Koriander, Schnittlauch, Zwiebeln und Tomaten mit einem Zitronenöldressing. Sehr lecker!

 

Wichteln und von der Freude kein Geschenk zu bekommen

Nach dem Essen gehen die Frauen ins Haus zurück, es wird gewichtelt. Ich bekomme die Aufgabe zugeteilt, das Event mit der Kamera festzuhalten. Die Bäuerin hält eine kleine Ansprache und beschließt, dass jede Frau beim Überreichen ihres Geschenkes zunächst eine kleine Zusammenfassung der Person geben soll, für die das Geschenk ist. Sie selbst hat eine Krippe aus Filz angefertigt – das einzige selbstgemachte und außerdem sicher aufwendigste Geschenk.

Die anderen Frauen überreichen sich Handtaschen, herzförmige Papierboxen (zur Verwunderung der Empfängerin ohne Inhalt), eine kleine Marienstatue. Alles Dinge, bei denen ich mir denke, dass ich sie lieber nicht in meinem Leben hätte. Das hört sich jetzt gemein an, aber auf meiner Reise mit kleinem Gepäck habe ich begriffen, dass ich viel zu viele materielle Dinge in meinem Leben angehäuft habe und dass es durchaus befreiend ist, nicht viel zu haben.

Einzig ein Geschenk hätte ich gerne für mich beansprucht: Eine Handcreme. Bzw. ein Cremchen (una cremita por mis manos!), wie die Empfängerin freudig ausruft. Immerhin sagt sie nicht: Ein Cremchen für die Händchen!

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