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Zwei Wochen auf einem Bauernhof in Patagonien im Süden Chiles – das Ziel: Land und Leute besser kennenlernen, Spanisch üben, die Natur genießen. Ich wohne bei einer alleinstehenden Bäuerin Anfang 60 zusammen mit Schafen, Alpacas, Hunden, Katzen, Hühnern, einer Sau und jeder Menge Erdbeeren. In unmittelbarer Nähe ragen die schneebedeckten Gipfel der umliegenden Berge in die Höhe. Das Land ist rau, starker Wind ist an der Tagesordnung und das Wetter kann von einer Sekunde von Sonne zu Dauerregen wechseln. Englisch spricht hier niemand – perfekt, um meine sehr grundlegenden Spanischkenntnisse auszubauen. In einem Tagebuch habe ich meine Erlebnisse festgehalten.

Ich bleibe

Nach dem gestern Nacht vor dem Einschlafen noch mal in mich gegangen bin und abgewogen habe, was für und gegen ein vorzeitiges Abbrechen meines Aufenthalts hier spricht, habe ich mich heute Morgen entschieden, zu bleiben. Neben der Tatsache, dass ich mir in den Kopf gesetzt habe, Weihnachten mit einer chilenischen Familie zu verbringen, ist es vor allem ein Bauchgefühl. Abzuhauen, fühlt sich gerade einfacher an, zu bleiben, richtiger.

Die Bäuerin schläft noch, als ich aufstehe, und so gehe ich schnell heimlich raus und füttere Loco, den Hund an der Kette. Ich bin mir nicht sicher, wie regelmäßig er sonst zu essen bekommt. Ich mache Pfannkuchen zum Frühstücken, die sowohl der Bäuerin als auch ihrem Neffen schmecken.

Schafe hüten will gelernt sein

Wir vermissen ca. 15 der insgesamt 60 Schafe und ich wandere über das Grundstück, um sie zu suchen. Schließlich werde ich auch fündig und zwar auf Nachbars Weide, in der das Gras eindeutig saftiger ist und höher wächst. Zusammen mit Regalo, dem anderen Hund, versuche ich die Schafe wieder durch das Loch im Zaun zurück in die heimatlichen Gefilde zu treiben, aber mit wenig Erfolg. Ein paar sind schon auf der richtigen Seite, aber die größeren schaffen es nicht schnell genug durchs Loch und der Hund ist keine große Hilfe, da er die Schafe von der Stelle im Zaun wegjagt. Zweimal folge ich der Herde um den Hügel herum, dann gebe ich auf. Außer Atmen sind wir inzwischen alle…

Regalo, mein zweifelhafter Schäferhund

 

Beim Erdbeerpflücken habe ich mehr Erfolg, auch wenn es heute eine nasse Angelegenheit ist. Aber die Bäuerin, die heute erstaunlich nett zu mir ist, hat mir eine alte Skihose gegeben und fingerlose Handschuhe und so friere ich nicht zu sehr. Mein Rücken hat sich inzwischen auch an die Tätigkeit gewöhnt und macht keine Zicken mehr.

Schafe eintreiben zum Zweiten

Nach der Arbeit lege ich mich ins Bett und lese ein wenig in einem neuen E-Book, das ich mir selbst als vorweihnachtliches Geschenk gegönnt habe, während der Regen aufs Dach prasselt. Den PC packe ich erst abends aus, ohne Internet kann ich eh nicht viel machen.
Abends treibe ich die Schafe ein, die nachts immer auf einer kleinen Weide neben dem Haus unterbracht sind. Dieses Mal komme ich mir wie ein Profi vor, denn zusammen mit dem Hund, habe ich sie relativ schnell eingesammelt. Bis auf die immer noch abtrünnige Gruppe in Nachbars Garten allerdings.

Ich komme mir langsam vor wie im Kinderhort

Recht spät liefert eine der anderen Töchter noch einen weiteren Enkel bei uns ab und ich komme mir langsam vor wie im Kinderhort. Ich bin gespannt, ob ich dieses Mal einen Gast ins Zimmer gelegt bekomme, aber die Bäuerin schläft mit beiden Enkeln im Bett. Die Tür steht die ganze Nacht offen und der Fernseher läuft (wenigstens tonlos) durch, weil es keine Nachttischlampe gibt und der Enkel sich im Dunkeln fürchtet.

Als ich ins Bett gehe denke ich mir, dass es die richtige Entscheidung war, zu bleiben. Heute war emotional betrachtet der bisher angenehmste Tag hier und die Bäuerin und ich scheinen langsam auf einen grüneren Zweig zu kommen. Vielleicht spürt sie auch intuitiv, dass ich mich für den Aufenthalt entschieden habe oder ich verhalte mich selbst etwas freundlicher als vorher. Dass sich alleine durch meine bewusste Entscheidung, zu bleiben, so schnell eine Besserung einstellt, damit hätte ich nicht gerechnet…

Der nächste Tag:

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