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Zwei Wochen auf einem Bauernhof in Patagonien im Süden Chiles – das Ziel: Land und Leute besser kennenlernen, Spanisch üben, die Natur genießen. Ich wohne bei einer alleinstehenden Bäuerin Anfang 60 zusammen mit Schafen, Alpacas, Hunden, Katzen, Hühnern, einer Sau und jeder Menge Erdbeeren. In unmittelbarer Nähe ragen die schneebedeckten Gipfel der umliegenden Berge in die Höhe. Das Land ist rau, starker Wind ist an der Tagesordnung und das Wetter kann von einer Sekunde von Sonne zu Dauerregen wechseln. Englisch spricht hier niemand – perfekt, um meine sehr grundlegenden Spanischkenntnisse auszubauen. In einem Tagebuch habe ich meine Erlebnisse festgehalten.

Nagellack statt Frühstart

Ich war schon lange nicht mehr so unruhig. Ich bin gleichermaßen nervös und ruhelos und auf der anderen Seite fühle ich mich schlapp und würde am liebsten nur schlafen. Heute sind wir schon früh (halb 9) losgefahren, um Erdbeeren in Coyhaique zu verkaufen. Zumindest war das der Plan. Als wir schon alle fertig waren, beschloss die Bäuerin erst mal, dass sie sich noch die Nägel lackieren muss.

Dann sprang das Auto mal wieder nicht an. Dafür fing es an zu regnen. Der Enkel und ich saßen im Auto, während die Farmerin vor der offenen Motorhaube stand und mit einer Zange auf die Batterie klopfte. Es dauerte länger als sonst, aber irgendwann brummte der Motor dann doch noch.

Auf dem Weg in die Stadt kam uns eine Kuhherde auf der ungeteerten Landstraße entgegen. Drei Gauchos (das sind die Cowboys von Chile) auf dem Pferderücken versuchten sie vom Auto wegzutreiben, während die Bäuerin mit der Hand auf der Hupe im Schritttempo durch die Herde fuhr.

Gauchos bei der Arbeit

 

Der Verkäufer wollte wissen, wo ich die SIM-Karte gekauft hatte und als ich Santiago antwortete, nickte er wissend

In Coyhaique angekommen lungerte ich ein wenig am Marktstand herum bis die Bäuerin meinte, ich könne doch durch die Stadt laufen. Okay, eine neue Chance, meine SIM-Card zu aktivieren! Ich ging wieder in Bekleidungsladen, in dem es auch eine Theke mit Mobiltelefonen gibt und nach einer gefühlten Ewigkeit kam ich dran. Auch dieser Verkäufer sprach kein Englisch, also stotterte ich eine Weile auf Spanisch herum und er versucht, mein Internet zum Laufen zu bringen, allerdings ohne Erfolg. Er wollte wissen, wo ich die Karte gekauft hatte und als ich Santiago antwortete, nickte er wissend. Die würden einem immer schlechte Karten verkaufen. Aha.

Ich meinte, ich würde auch noch eine kaufen, wenn es dann funktioniert. Daraufhin zog er eine Prepaidkarte aus der Theke hervor und schenkte sie mir. Ich schaffte es ganz alleine, die Hotline anzurufen, den spanischen Sprachanweisungen der automatischen Stimme zu folgen, die Identitätsnummer der Verkäuferin aus Santiago einzugeben (in Ermangelung einer eigenen) und dann sogar zu verstehen, dass ich nun eine Stunde warten müsste.

Nach einem Abstecher im Supermarkt, wo ich mich mit mehr Schokolade und ein paar Süßigkeiten und Wein für Weihnachten eindeckte, kam ich zurück zum Marktstand und bis auf zwei Packungen waren wir doch tatsächlich ausverkauft. Hat es sich zumindest gelohnt, dass mein Rücken heute immer noch schmerzt.

Zusammen mit der Mutter des Enkels fuhren wir nun für ein, zwei Stunden durch die Stadt und machten verschiedene Besorgungen, wobei es sich mir meist nicht erschloss, was wir gerade taten. Das Auto musste nun an bleiben, da es – im Halteverbot geparkt – nicht mehr anspringen wollte.

Unverhofftes Wiedersehen mit dem humpelnden Küken

Das kleine humpelnde Küken, das ich gestern vermisst hatte, sah ich übrigens heute wieder – tot in einem Eimer in der Speisekammer liegend. Ich fragte mich, ob es die Farmerin wohl getötet hatte, weil sie dachte, dass es eh nicht überlebt. Ich nahm die Milchflasche von den Schafsrippen und verließ die Speisekammer schnell wieder.

Auf Internetentzug

Ich bin total frustriert, weil ich das Gefühl habe, dass mich die Bäuerin auf Internetentzug setzten will und ich meine SIM-Karte immer noch nicht zum Laufen gebracht habe. Sie schaltet nur noch auf Nachfrage ihren Hotspot für mich frei und stellt ihn dann nach kurzer Zeit schon wieder aus oder geht mit dem Handy in der Hand nach draußen, so dass ich keinen Empfang mehr habe.

An der Datenbegrenzung kann es nicht liegen, das hatte ich bereits zu Beginn abgeklärt. Da in ihrer Beschreibung ihrer Farm auch ein Haken bei „Internet vorhanden“ (und nicht mal bei „Limitierter Internetzugang vorhanden“) gesetzt ist, hält sich mein schlechtes Gewissen in Grenzen. Trotzdem möchte ich einfach nur unabhängig sein und mein eigenes Netz benutzten.

Um die letzten Dokumente für meinen Auftrag zu überarbeiten, ist Internet unerlässlich. Hätte ich einfach mal ein paar Stunden am Stück Zeit und Internetzugang, würde ich das Projekt abschließen können und zumindest dieses Problem wäre gelöst. Aber so bettle ich stets nur rum und wenn ich Glück habe, funktioniert das Internet gerade mal, wenn sie es für mich anstellt.

Die Bäuerin legt mir nahe, ins warme Santiago zurückzukehren

Mir ist ständig kalt. Die Bäuerin legt mir nahe, ins warme Santiago zurückzukehren. Zumindest ist es das, was ich verstehe. Möchte sie, dass ich abreise? Noch vier Tage bis Weihnachten. Ich überlege, ob ich tatsächlich meine Zelte hier abbrechen soll. Mir ein Hostel in der Stadt suchen. Dem rauen Landleben, den toten Tieren den Rücken kehren. Mit ordentlichem Internet mein Projekt beenden. Werde erst einmal eine Nacht darüber schlafen.

Ich habe Bauchschmerzen, setze mich trotzdem dazu beim Essen, weil es Schafsrippen gibt und ich nicht wie eine Memme dastehen will. Dafür geht es dem Rücken wieder gut. Der scheint sich an die Arbeit im Erdbeerfeld so langsam gewöhnt zu haben.

Should I stay or should I go? Lies hier weiter:

Tag 6 verpasst? Es war zwar kein schöner Tag, aber hier kannst du ihn nachlesen:

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