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Zwei Wochen auf einem Bauernhof in Patagonien im Süden Chiles – das Ziel: Land und Leute besser kennenlernen, Spanisch üben, die Natur genießen. Ich wohne bei einer alleinstehenden Bäuerin Anfang 60 zusammen mit Schafen, Alpacas, Hunden, Katzen, Hühnern, einer Sau und jeder Menge Erdbeeren. In unmittelbarer Nähe ragen die schneebedeckten Gipfel der umliegenden Berge in die Höhe. Das Land ist rau, starker Wind ist an der Tagesordnung und das Wetter kann von einer Sekunde von Sonne zu Dauerregen wechseln. Englisch spricht hier niemand – perfekt, um meine sehr grundlegenden Spanischkenntnisse auszubauen. In einem Tagebuch habe ich meine Erlebnisse festgehalten.

Wie jede Nacht muss ich zwischendurch von meinem Stockbett klettern und mich im Bad erleichtern. Ich streichle Lobocita kurz. Als ich zurück im Bett bin, höre ich sie miauen, so wie auch schon die Nacht zuvor. Irgendwann schlafe ich wieder ein.

Ein schöner Traum vom Tod

Ich habe den ungewöhnlichsten Traum, den ich je hatte. Ganz in weiß gekleidet sitze ich auf einer Art Turm, die Sonne scheint, es ist warm, um mich herum sind lauter Menschen, die ich mag, es läuft laute Musik, die gleichzeitig erhaben ist, Drive hat und Leichtigkeit ausstrahlt. Ich bin glücklich, unbeschwert, völlig mit mir selbst im Reinen. Die Menschen um mich herum sind etwas traurig und ich versuche sie aufzumuntern, denn ich habe keine Angst, verspüre keine Traurigkeit. Und das, obwohl es der Tag meiner Beerdigung werden könnte. Es ist noch nicht ganz klar, ob ich an diesem Tag sterben werde oder nicht. Aber alles, was ich verspüre, ist tiefes, reines Glück, kein Bedauern, keine Zweifel, keine Furcht. Ob ich sterben werde oder nicht: Es ist alles dasselbe. Ich bin voller Dankbarkeit und Zuversicht und fühle mich völlig eins mit mir, meiner Umwelt, dem Universum.

Meine schlimme Befürchtung bestätigt sich

Am nächsten Morgen wache ich sehr früh auf und gehe schlaftrunken ins Bad. Lobocita sitzt nicht mehr auf ihrem Kissen, sondern liegt auf dem kalten Boden. Ich habe eine schlimme Befürchtung, die sich bestätigt. Sie hat die Nacht nicht überlebt. Ich bin sauer, wütend, traurig. Ich überlege mir, sie einfach mitten im Bad liegen zu lassen, damit die Bäuerin und ihr Enkel am Morgen genauso wie ich gerade über sie stolpern werden. Ein Zeichen der Ignoranz der Bäuerin, bei dem sie nicht wegschauen kann.

Dann siegt aber doch meine Vernunft. Ich lege das Kätzchen sanft auf sein Bett zurück. Und dann lege ich mich wieder hin und weine erst mal. Und mache mir zig Vorwürfe, dass ich nicht darauf bestanden habe, Lobocita direkt zurückzubringen. Klar, es gibt Situationen, in denen man nichts tun kann, aber in diesem Fall hätte ich einen Unterschied machen können. Jetzt ist es zu spät dazu.

Morgens fragt mich die Bäuerin, wie es mir geht. Ich sage ihr, dass ich traurig sei und sie fragt warum. Ich antworte, weil das Kätzchen tot ist. Oh, schade, erwidert sie. Sie hatte es noch nicht mal bemerkt. Nach dem Frühstück frage ich sie, ob ich Lobocita beerdigen kann. Auf dem Hügel neben dem Haus mit Blick auf die schneebedeckten Berggipfel würde sie zumindest eine schöne letzte Ruhstätte finden, denke ich. Aber die Bäuerin sagt mir, dass sie das bereits erledigt habe. Ich hoffe, sie hat das Kätzchen nicht einfach in irgendeine Ecke geworfen.

Erdbeeren, Erdbeeren, Erdbeeren

Heute pflücke ich jede Menge Erdbeeren. Ich habe angefangen, mein Handy mitzunehmen und damit Musik zu hören. Zu meinem Erstaunen finde ich mich selbst laut singend auf dem Erdbeerfeld wieder. So weit ist es also mit meiner Trauer her… Wenigstens tut mir mein Rücken ordentlich weh. Eine Schmerztablette hilft.

 

Ich übe ein wenig mit dem Border Collie, aber habe das Gefühl, das wir inzwischen eher Rückschritte machen als vorwärts zu kommen. Vielleicht war mein Unterfangen doch etwas hoch gegriffen. Weder zur Katzenmama noch zur Hundebändigerin scheine ich zu taugen.

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