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Zwei Wochen auf einem Bauernhof in Patagonien im Süden Chiles – das Ziel: Land und Leute besser kennenlernen, Spanisch üben, die Natur genießen. Ich wohne bei einer alleinstehenden Bäuerin Anfang 60 zusammen mit Schafen, Alpacas, Hunden, Katzen, Hühnern, einer Sau und jeder Menge Erdbeeren. In unmittelbarer Nähe ragen die schneebedeckten Gipfel der umliegenden Berge in die Höhe. Das Land ist rau, starker Wind ist an der Tagesordnung und das Wetter kann von einer Sekunde von Sonne zu Dauerregen wechseln. Englisch spricht hier niemand – perfekt, um meine sehr grundlegenden Spanischkenntnisse auszubauen. In einem Tagebuch habe ich meine Erlebnisse festgehalten.

Heute wird gewählt, denn es ist Stichwahl der Präsidentschaftswahl. Wen steht auch schon fest, denn die Bäuerin hat es in den Kalender eingetragen, damit keine Missverständnisse aufkommen: „Votar Piñero“. Erst geht es über eine unbefestigte Straße, später geht diese in eine geteerte über. Jedes Mal, wenn wir zu einer Kurve kommen, hupt die Bäuerin kurz und bekreuzigt sich dann. Ich wundere mich, denn so gefährlich sieht die Straße nicht aus. In Coyhaique fahren wir erst einmal zum Haus der jüngsten der fünf Töchter. Diese wohnt mit Mann und Sohn zusammen und bietet mir netterweise direkt etwas zu essen an. Da ich nicht weiß, wann es das nächste Mal etwas gibt, nehme ich dankend an, auch wenn nicht viel Hunger habe (war eine gute Entscheidung).

Militärbewachte Wahl

Das Wählen geht zackig und findet wie in Deutschland auch in einer Schule statt, die allerdings von Militär mit Maschinengewehren gesichert ist. Die Tochter der Bäuerin und ihr Enkel sind in einer anderen Schule wählen und wir haben noch den Mann der Tochter dabei. Zusammen mit dem fahren wir nach der Wahl über eine Stunde durch die Stadt und bringen Erdbeeren zu den Leuten, die diese vorbestellt haben.

Danach geht es zurück zum Haus der Tochter. Diese kocht für uns und ich höre wie die Bäuerin ihr mitteilt, dass ich kein Fleisch essen würde. Das erhöht mein Prestige hier nicht gerade, aber so ist es nun mal. Es gibt Nudeln. Mit angebratenen Wurstscheiben. Die Tochter ist erstaunt, dass ich Wurst auch nicht esse. Trotzdem lehne ich dankend ab und esse Pasta pur. Danach fahren wir wieder in die Stadt, die Bäuerin muss beim Auszählen der Stimmen helfen. Ich spaziere durch die Ortschaft, flaniere durch Bekleidungsgeschäfte und decke mich mit Schokolade im Supermarkt ein. Außerdem kaufe ich eine Leine für den Border Collie und hoffe, ihn damit ausführen zu können.

Der Weg in die Stadt

 

Mit dem sechsjährigen Enkel im Gepäck geht es nach Hause

In Santa Lucia, einem Ort 200 km nördlich von hier (für das tausend Kilometer lange Chile ein Katzensprung), hat es eine Schlammlawine gegeben. Die Geschichte habe ich sogar verstanden und die Bilder im Fernsehen bei der Tochter der Bäuerin bestätigen meine Version. Wir nehmen den sechsjährigen Enkel der Bäuerin mit nach Hause. Ich bin nur semi begeistert, weil ich mich gerade an das Leben zu zweit gewöhnt hatte und schätze, dass ich mein Stockbett mit ihm teilen werden muss.

Alles was wir wahrnehmen, können wir immer nur durch die Brille dessen sehen, was wir bereits kennen

Auf dem Rückweg verstehe ich, warum die Bäuerin sich bekreuzigt: Es hat nichts mit der Bitte um Gottes Beistand bei den Kurven zu tun, sondern am Straßenrand befinden sich kleine Kapellen. Mal wieder ein gutes Beispiel dafür, wie oft wir Dinge falsch interpretieren, weil wir nicht genügend Informationen haben bzw. alles nur in den Kontext der Welt stellen können, die wir selbst kennen und mit der wir vertraut sind.

Lobocita begrüßt uns maunzend. Die Bäuerin ist nicht begeistert, dass ich mit ihr kuschel, wenn ich sie richtig verstehe, will sie zum einen nicht, dass das Kätchen traurig ist, wenn ich wegbin und zum anderen denkt sie, dass die Kleine Krankheiten haben könnte. Wir richten dem kleinen Ding ein Bettchen im Bad ein. Es bleibt auch brav im Bad, wenn die Tür offen ist. Nur einmal spaziert es vor die Badezimmertür, um draußen zu pinkeln.

Der Enkel schläft übrigens bei der Bäuerin mit im Bett. Er hat auch den ganzen restlichen Tag dort vor dem Fernseher zugebracht, ich hätte mir also keine Sorgen machen müssen.

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