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Zwei Wochen auf einem Bauernhof in Patagonien im Süden Chiles – das Ziel: Land und Leute besser kennenlernen, Spanisch üben, die Natur genießen. Ich wohne bei einer alleinstehenden Bäuerin Anfang 60 zusammen mit Schafen, Alpacas, Hunden, Katzen, Hühnern, einer Sau und jeder Menge Erdbeeren. In unmittelbarer Nähe ragen die schneebedeckten Gipfel der umliegenden Berge in die Höhe. Das Land ist rau, starker Wind ist an der Tagesordnung und das Wetter kann von einer Sekunde von Sonne zu Dauerregen wechseln. Englisch spricht hier niemand – perfekt, um meine sehr grundlegenden Spanischkenntnisse auszubauen. In einem Tagebuch habe ich meine Erlebnisse festgehalten.

Mein berufliches Selbstbewusstsein in meinem Träumen trägt Früchte. Oder andersherum, ich träume von den Dingen, die ich in der Realwelt in Variation erlebe. Ich habe eine Nachricht im Postfach: Mein Angebot für ein freiberufliches Projekt (ein Magazin zu einem medizintechnischen Thema zu redigieren und die aus dem Englischen stammende Übersetzung zu überprüfen) wurde angenommen – und zwar die kostspieligste Version der drei Auswahlmöglichkeiten, die ich vorgeschlagen hatte (nachdem man ja immer drei unterschiedlich teure Angebote machen soll, damit es den Kund*innen leichter fällt, sich für die mittlere Version zu entscheiden).

Wie erwartet, verstehe ich bei dem Treffen fast nichts

Heute gibt es nicht viel zu tun, dafür hat die Bäuerin ein Treffen mit ein paar Frauen aus dem nächsten Ort. Ich versuche ihr zu verstehen zu geben, dass ich auch zu Hause bleiben kann – ich würde gerne mit den Texten anfangen –, aber sie entscheidet, dass ich mitkommen werde. Wir haben ein paar Probleme mit dem Auto, das erst anspringt, nachdem das Wasser aufgefüllt ist und die Batterie mit einer Zange bearbeitet wird. Wie erwartet, verstehe ich bei dem Treffen fast nichts, nur dass es irgendwie um die Herstellung von Seife geht und man die dafür benötigten Materialien gemeinsam anschaffen will.

Runde um Runde wird Mate-Tee herumgereicht

Während der Regen aufs Dach prasselt, sitzen wir in einem Gemeinschaftsraum in einem ausgekühlten Haus eng um einen Kaminofen geschart, der nicht genügend Wärme ausstrahlt. Eine Frau reicht eine Tasse Mate herum, die immer wieder neu aufgefüllt wird. Die kleine Tasse ist voll mit dem starken Kraut und man trinkt den Tee ganz heiß aus einem metallenen Halm. Ich will kein Schlappschwanz sein und trinke jede Runde mit, auch um mich etwas aufzuwärmen. Nach ein paar Runden schmeckt es nicht mehr ganz so bitter.

Chilenisches Spanisch – das „s“ wird verschluckt

Am Ende sagt die Farmerin noch, dass ich aus Deutschland kommen würde und fast kein Spanisch verstehen würde. Das zumindest habe ich verstanden… Und bin etwas sauer, denn wenn man hier etwas ordentlicher sprechen würde, dann würde ich auch mehr verstehen. Aber die Leute sprechen nicht nur schnell, sondern verschlucken auch regelmäßig Wortteile. Ein „s“ am Ende wir beispielsweise so gut wie nie ausgesprochen. Also nicht „dos personas“ (zwei Personen), sondern „do persona“. Oder „vamo“ statt „vamos“ (Gehen wir / Auf geht’s).

Auch meinen Namen verkürzt sie oft zu „Marli“. Im Wortinneren wird das „s“ ebenfalls häufig vernachlässigt, so wird aus dem Wort „mismo“ (dasselbe) ein „mi(ch)mo“. Dann gibt es noch Wörter, die komplett neu für mich sind – also die gibt es natürlich zu Hauf, aber ich meine in diesem Fall die, die ich eigentlich schon kenne. Zum Beispiel ist „dinero“ (Geld) hier „plata“.

Erst nach längerer Bearbeitung mit einer Zange springt das Auto an

Bevor wir nach Hause fahren, gibt es wieder Probleme mit dem Auto, das nicht anspringt. Dieses Mal können wir erst nach längerer Bearbeitung der Batterie mit einer Zange im Dauerregen nach Hause fahren. Da später wieder die Sonne scheint, erkundige ich das Grundstück, dass ziemlich groß ist. Ich klettere auf einen Felsen und schaue mir die schneebedeckten umliegenden Berge an. Dann versuche ich ein Selfie mit den Alpacas zu schießen.

 

Der Border Collie an der Kette

Ja und dann, dann sage ich endlich dem Border Collie „Hallo“, der unweit des Hauses an einer kurzen Kette lebt, die an einem LKW-Reifen befestigt ist. Er ist freundlich und freut sich über meine Zuneigung. Die Bäuerin erklärt mir, dass er nicht nur verhaltensgestört, sondern auch krank sei.

Ich versuche ihr zu erklären, dass Border Collies zu den intelligentesten Hunderassen gehören und er wahrscheinlich nicht ausgelastet war, aber sie ist überzeugt davon, dass er verrückt ist (deshalb heißt er auch Loco, was verrückt bedeutet). Mir tut das arme Tier leid, aber es gibt nicht viel, was ich tun kann. Ich frage einen Freund von mir um Rat, den ich in Asien kennengelernt habe und der praktischerweise ein Tierarzt aus Chile ist.

Wir gehen in die beiden Gewächshäuser, die Bäuerin erklärt mir, was für Gemüse und welche Kräuter sie anbaut (und dieses Mal verstehe ich sogar fast alles) und dann jäte ich noch ein wenig Unkraut, während sie die Pflanzen gießt. Zum Abendessen gibt es zum dritten Mal heute Weißbrot. Ich habe ihr gesagt, dass ich nicht pingelig beim Essen bin, aber etwas anderes als immer nur Brot, Marmelade und ab und zu ein altes Stück Käse, wüsste ich durchaus wertzuschätzen. Sie isst aber auch nichts anderes, eher noch weniger als ich.

Und wie geht’s weiter? Hier kommst du zu Tag 3:

Du kennst den Bericht zu Tag 1 noch nicht? Lies ihn hier nach:

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