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Zwei Wochen auf einem Bauernhof in Patagonien im Süden Chiles – das Ziel: Land und Leute besser kennenlernen, Spanisch üben, die Natur genießen. Ich wohne bei einer alleinstehenden Bäuerin Anfang 60 zusammen mit Schafen, Alpacas, Hunden, Katzen, Hühnern, einer Sau und jeder Menge Erdbeeren. In unmittelbarer Nähe ragen die schneebedeckten Gipfel der umliegenden Berge in die Höhe. Das Land ist rau, starker Wind ist an der Tagesordnung und das Wetter kann von einer Sekunde von Sonne zu Dauerregen wechseln. Englisch spricht hier niemand – perfekt, um meine sehr grundlegenden Spanischkenntnisse auszubauen. In einem Tagebuch habe ich meine Erlebnisse festgehalten.

Mein Flieger kommt eine Dreiviertelstunde zu spät an. Ich bin gestresst, denn ich weiß nicht, wie ich die Bäuerin erreichen soll und möchte sie ungern warten lassen. Dann sagt der Fahrer des Shuttles, das eigentlich ein Taxi ist, dass es nur zehn bis fünfzehn Minuten vom Flughafen nach El Blanco seien und nicht knapp eine Stunde, wie angenommen. Ich bin überrascht, aber er hat recht. Ich bin gute fünf Minuten zu spät und niemand wartet am Bushäuschen auf mich.

Eine große Rolle Stacheldraht piekst mich in den Nacken

Deutsche Pünktlichkeit gewohnt, bekomme ich weitere zehn Minuten später Angst, dass die Bäuerin schon da war und wieder gefahren ist. Ich versuche gerade mutig bei ihr anzurufen ( du erinnerst dich: Sie spricht nur Spanisch – und ich nicht wirklich…), da kommt ein Auto angefahren und hupt nach mir. Es ist die Bäuerin, die noch einen Freund dabei hat. Ich werde auf den Rücksitz verfrachtet und eine große Rolle Stahldraht piekst mich in den Nacken. Ich werde nett begrüßt, aber nur verbal.

Erste Erkenntnis: Ich verstehe fast nichts. Als sich die Bäuerin mit dem Mann unterhält, überlege ich zweitweise, ob sie wirklich Spanisch sprechen. Zweite Erkenntnis: Die Gegend ist bezaubernd schön. Auf den Berggipfeln liegt Schnee, am Wegrand wuchern lila Chocho-Blumen und als wir dann noch über einen Fluss fahren, der durchaus Wildwasserpotenzial hat, bin ich vollständig glücklich.

Erste Erkenntnis: Ich verstehe fast nichts.

Ab El Blanco ist es nur noch Schotterweg und das gefühlt recht lange. Irgendwann biegen wir von der Straße ab, fahren durch ein Gatter, dann noch ein Gatter und noch eines und noch ein viertes bis wir schließlich vor einem Haus parken, vor dem sich Schafe und Alpacas tummeln. Ein Hund springt freudig an mir hoch, ein anderer bellt im Hintergrund.

 

Das Haus ist unordentlich, Geschirr türmt sich in der offenen Wohnküche, in der Ecke steht ein Plastikweihnachtsbaum. Trotz der Unordnung und des Schmutzes strahlt der Raum Gemütlichkeit aus. Ich bekomme nun erst mal eine Umarmung und werde gefragt, ob ich Tee möchte. Ja, gerne – diesen darf ich mir selbst machen, denn „mi casa es tu casa“ und so bediene ich mich auch am Brot und Käse, der auf der Anrichte steht, denn nach dem Flug mit Billigflieger ohne Mahlzeit bin ich recht ausgehungert.

Um das Haus herum laufen Schafe, Alpacas und Hühner

Um das Haus herum laufen die sechzig Schafe, die hier leben, die fünf Alpacas und viele Hühner, darunter zwei Hühnerfamilien. Weiter gibt es eine große Sau, die in einer unbequem aussehenden Vorrichtung aus Stöcken steckt und einen Draht in der Schnauze hat, aber dafür auf ihrer Weide frei herumrennen darf. Zuerst denke ich, sie leidet und grunzt deshalb so, aber schnell bemerke ich, dass es ihre Art ist, guten Tag zu sagen. Sie grunzt nur freundlich, wenn man in ihre Nähe kommt, ansonsten ist sie still.

Halbe Schafe und echte Milch

Eine der sechs Töchter kommt irgendwann mit Freund und Sohn vorbei. Der Freund trägt zwei Schafshälften (ohne Fell) an mir vorbei Richtung Auto. Ein Vorgeschmack auf das, was mich noch erwarten wird?

Viel zu tun habe ich heute nicht, vielleicht ist das noch die Schonfrist, vielleicht habe ich diese auch dem stetig vom Himmel prasselnden Regen zu verdanken. Ich mache den Abwasch, was die Bäuerin schweigend zur Kenntnis nimmt. Abendessen (Brot mit Käse bzw. Marmelade) gibt es um halb elf. Dazu warme Milch – richtige Milch, auf der noch der Rahm schwimmt und die vor dem Trinken abgekocht werden muss.

Nächtliches Treffen mit Obama

Nach dem Abendessen gehe ich ins Bett und wünsche der Bäuerin davor noch schöne Träume. Sie winkt dankend ab, traumlose Nächte wären ihr lieber. Dafür träume ich in dieser Nacht. Ich treffe auf Obama, der ein netter Kerl ist. Er verrät mir, dass er jemanden sucht, der Reden für ihn schreibt, und ich biete mich großzügig an, worüber er sich ernsthaft freut. Die einzige Einschränkung, die ich mache, ist, dass er noch mal eine Muttersprachler*in drüber lesen lassen sollte. Kann er selbst machen, meint er.

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