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Live-Report

Eine Nacht am Flughafen

Vorgeschichte

Fliegen in Lateinamerika ist teuer. Um nicht ganz arm dabei zu werden, unterteilte ich meinen Flug nach Patagonien von Guatemala aus in mehrere Abschnitte, auch wenn mich das One-Way-Ticket so immer noch 500 Euro gekostet hat. Am ersten Tag würde es nach Costa Rica gehen, wo ich eine Nacht in einem Hostel in Flughafennähe gebucht hatte, dann am nächsten Tag weiter nach Peru und am übernächsten Tag nach Santiago in Chile. Zwei Tage später dann weiter nach Patagonien.

Schwieriger Landeanflug in Costa Rica

Der erste Flug war mir fast ein wenig zu aufregend. Nur eineinhalb Stunden dauert es von Guatemala City bis San José. Zehn Minuten vor der offiziellen Ankunftszeit wurde der Landeanflug angekündigt. Ein paar Minuten später kam dann die Durchsage, dass wir wegen starkem Wind erst einmal ein paar Warteschleifen ziehen würden. Eine halbe Stunde ging es in achtförmigen Schlangenlinien abwechselnd übers Meer und über Berge.

Dann versuchte der Pilot einen Landeanflug, bei dem wir durch mehrere Luftlöcher immer wieder schlagartig absackten. Der Boden kam immer näher, bis er plötzlich wieder hochzog. Das hatte ich zum ersten Mal erlebt und das Gefühl ist nicht wirklich angenehm, denn das Flugzeug schien viel schwerer wieder hochzukommen als bei einem Start von der Landebahn aus.

Wieder zogen wir Kreise über dem Umland. Ich begann zu rechnen. Wieviel extra Benzin ein Flugzeug wohl bei einem Kurzflug wie diesem getankt hat? Zwanzig Minuten später überlegte ich, wie ich mich im Falle einer Notlandung im Meer verhalten würde. Der gesamte Passagierraum war verstummt. Ich saß in der letzten Reihe und überlegte, ob das statistisch gesehen wohl ein sicherer oder weniger sicherer Platz wäre. Irgendwann begannen die beiden Flugbegleiterinnen hinter mir auf Spanisch miteinander zu spreche. Das einzige Wort, das ich aufschnappen konnte, war „critico“. Nicht gerade das, was ich zu hören erhofft hatte. Andererseits hatte ich nicht das Gefühl, dass heute der Tag war, an dem ich sterben sollte. Dreißig Minuten später versuchten wir den nächsten Landeanflug.

Wir waren schon so nahe am Boden, dass man Menschen erkennen konnte und immer noch schwankten die Flügel der kleinen Maschine mehrere Meter hoch und runter. Dann kamen wir mehr oder weniger sanft am Boden auf. Alle klatschten mit schweißnassen Händen und im Gegensatz zu diesem Verhalten in Urlaubsfliegern fand ich es hier durchaus angemessen und klatschte fleißig mit.

Drei ungebuchte Flüge

Der zweite Flug beziehungsweise das Einchecken zu diesem war nicht weniger spannend. Ich war mit María, meiner neuen spanischen Freundin aus meinem Hostel zum Flughafen gefahren und während sie wartete, wollte ich schnell einchecken. „Heute nach Lima?“, fragte die nette Dame am Check In-Schalter und als ich noch am Nicken war, fuhr sie fort: „Und dann über Kolumbien wieder zurück nach Costa Rica, richtig?“ „Wie bitte?“, fragte ich verwirrt, denn ich hatte nur einen One-Way-Flug gebucht. Sie bestätigte: „Ich habe eine Reservierung vorliegen für den 1. Februar von Lima nach Cali, von dort nach Bogota und dann zurück nach San Jose in Costa Rica. Bogota ist die Hauptstadt von Kolumbien.“ Letzteres war die einzige Information, die mir nicht neu war.

Ich war mir 99 Prozent sicher, dass ich keine weiteren Flüge gebucht hatte. Andererseits wollte ich aber auch nicht die Chance auf ein paar potenzielle Freiflüge verspielen. „Hm, das würde erklären, warum der Flug so teuer war“, sagte ich und fragte dann in meinem allerhöflichsten Tonfall: „Könnten Sie mir das vielleicht ausdrucken?“. „Kein Problem“, antwortete die nette Dame und während ich mich noch überschwänglich bedankte, verschwand sie hinter den Gepäckbändern.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kam sie zurück und ich war mir ziemlich sicher, dass sie sich entschuldigen und mir bedauernd mitteilen würde, dass alles ein Versehen gewesen sei. Aber nein, sie markierte meine Flugnummern mit einem neongelben Marker, reichte mir den Zettel und fragte dann nur noch, ob sie sonst noch etwas für mich tun könnte. Auf dem Papier, auf dem neben dem heutigen Flug noch drei weitere aufgeführt waren, stand ganz eindeutig mein Name und mein Geburtsdatum. Ich konnte es kaum fassen!

12 Stunden am Flughafen in Lima, Peru

Aber kommen wir zur eigentlichen Geschichte. Als ich die Flüge gebucht habe, schien es mir noch ganz vernünftig zu sein, eine Nacht am Flughafen in Lima zu verbringen. Die Fluggesellschaft, mit der ich von Costa Rica aus nach Peru fliegen würde, war für Verspätungen bekannt und deshalb schien es mir zu knapp zu sein, bei einer anderen Gesellschaft einen Flug für 1 Uhr zu buchen, wenn ich um 20.30 Uhr ankommen würde. Mein Sicherheitsbedürfnis hat mir die tolle Möglichkeit verschafft, eine Nacht umsonst am Flughafen zu verbringen. Aber lies selbst.

20.23

Die Maschine landet, 2 Minuten vor der offiziellen Zeit. Mir fällt ein, dass es nett wäre, wenn ich nicht aus dem Transitbereich müsste.

20.28

Ich warte, bis alle ausgestiegen sind und frage dann die nette Flugbegleiterin, ob ich wirklich durch die Immigration muss, um meinen Weiterflug nach Chile am nächsten Morgen mit einer anderen Fluggesellschaft zu nehmen. Sie ist sich nicht sicher und verweist mich ans Bodenpersonal.

20.33

Die Wegschilder zur Immigration und zu den Weiterflügen gabelt sich und endlich kommt eine Mitarbeiterin des Bodenpersonals in Sicht. Sie öffnet direkt das Absperrband, als sie hört, dass ich nach Chile will, schickt mich dann aber doch zur Immigration als sie hört, dass ich mein Gepäck noch brauche.

20.35

Toilettenstopp

20.41

An der Immigration ist nichts los. Ich suche mir den Grenzbeamten aus, der mir am freundlichsten vorkommt. Beim Anstehen bemerke ich, dass der Schalter nur für Südamerikaner*innen ist und ziehe um.

20.43

Ich frage die Grenzbeamtin, ob sie Englisch spricht. Sie sagt ja und versteht dann kein Wort von dem, was ich sage. Also noch mal das Ganze auf Spanisch. Leider hilft alles nichts, ich muss offiziell nach Peru einreisen, mein Gepäck abholen und dann wieder neu einchecken.

20.50

Meine Tasche fährt schon auf dem Gepäckband im Kreis.

20.52

Eine Gruppe von Taxifahrern versucht vergebens, mich als Kundin zu gewinnen. Ich laufe aus der Ankunftshalle und halte Ausschau nach der Abflugshalle.

20.55

Aus dem Gebäude heraus und wieder ins Gebäude hinein und schon bin ich in der Ankunftshalle. Die Fluggesellschaft, mit der ich weiterfliege, hat noch keinen Schalter geöffnet. Das wird erst drei Stunden vor dem nächsten Flug passieren. Also in einer Stunde.

20.57

Ich setze mich auf den Boden und versuche erst mal übers weltweite Netz Kontakt mit der Welt aufzunehmen. Es dauert einige Anläufe, bis ich es geschafft habe, allerdings ist das Internet nur 30 Minuten lang umsonst. Danach funktioniert nur noch Facebook.

22.00

Eigentlich sollte jetzt der Schalter aufmachen. Aber auf der Anzeigentafel steht noch nichts.

22.35

Okay, jetzt ist es soweit. Schalter 35 bis 38. Sofort bildet sich eine lange Schlange. Ich beschließe erst einmal zu warten.

22.37

Oh, in Ryanair-Manier wird hier anscheinend jedes Gepäckstück auf seine Größe überprüft. Schnell ziehe ich meinen dicken Kapuzenpulli aus meinem Reiserucksack und binde ihn mir um die Hüften.

22.53

Die Schlange hat sich etwas gelichtet und ich stelle mich an. Da ich nicht sicher bin, ob mein Handgepäck auch gewogen wird, fülle ich meine Jackentaschen mit einigen kleinen, aber schweren Gegenständen auf.

22.55

Ich habe ein paar Verständigungsprobleme mit der Frau, die die Gepäckstücke überprüft, bekomme aber schließlich meine beiden Freigabebändchen an die Handgepäcksstücke gebunden.

22.59

Der Typ am mittleren Schalter sieht nett aus, hoffentlich komme ich zu dem.

23.00

Der Typ am mittleren Schalter lächelt mir zu. Bingo! Noch eine Person vor mir.

23.02

Mist, fast hätte es geklappt, aber jetzt muss ich doch an einen anderen Schalter. „Buenas noches“, trällere ich dem Herren am Schalter augenklimpernd zu. Schließlich will ich versuchen, in den früheren Flieger umgebucht zu werden. Er teilt mir allerdings mit, dass sie das beim Check-In nicht machen könnten, sondern nur im Büro, das erst wieder am nächsten morgen um 6 Uhr aufmacht. Mist! Mich jetzt schon einchecken, damit ich mein Gepäck aufgeben und zum Gate kann, geht auch nicht.

23.04

Mit meinen beiden Rucksäcken auf den Schultern und meiner Reisetasche an der Hüfte baumelnd quäle ich mich durch die Menge Richtung Toilette. Dort passe ich kaum durch die Tür, die sich nach innen öffnet.

23.10

Oh, ein Foodcourt. Hier ist die Hölle los und der Geräuschpegel liegt nur knapp unter dem Maß an Erträglichem. Chinawok hört sich vielversprechen an, denke ich.

23.11

Enttäuschung! Beim Chinawok gibt es 20 Gerichte, alle sind Hähnchen-basiert. Beim Hähchenstand nebenan sieht es erwartungsgemäß nicht besser aus. Ich laufe an den vollbesetzten Tischen vorbei, die von Familien bevölkert sind, die Berge von Hähchenschenkeln auf den Tellern vor ihnen stehen haben.

23.12

Ich habe einen Pizzastand gefunden. Allerdings habe ich weder Geld in der Landeswährung noch irgendeine Idee davon, wie der Kurs ist.

23.14

Ich lasse mich zwischen Gruppen von Jugendlichen auf dem Boden an der Wand nieder.

23.20

Keine Chance mehr ins Internet zu kommen. Außer Facebook funktioniert nichts.

23.37

Ich setze über Facebook einen Notruf ab. Wer kann mir sagen, wieviel 20 Einheiten des peranischen Geldes in Euro oder einer anderen mir bekannten Währung sind.

23.41

Das ging schnell. Eine Bekannte aus Mainz klärt mich auf. 20 Sol sind 5.24 Euro. Eine große vegetarische Pizza kostet 56 Sol. Das liegt außerhalb meines Budgets. Aber ein aus Pizzastück, Minikäsepizza und Softdrink bestehendes Kombo-Angebot sollte drin sein.

23.47

Bevor ich mich in die Schlange stelle, frage ich eine der Frauen am Stand, ob ich mit Karte bezahlen kann. Sie verneint. Ich erspähe ein Kartenlesegerät an der Theke und beschließe, dass sie mich falsch verstanden hat und stelle mich an.

23.48

Meine Mastercard wird nicht akzeptiert. Aber mit Visa kann ich zahlen. Blöd nur, dass die Karte leer ist. Ich habe gerade erst Geld auf das Kreditkartenkonto überwiesen und bin nicht sicher, ob es schon angekommen ist. Aber den Mutigen gehört die Welt und so bestelle ich dennoch.

23.49

Die Karte funktioniert! Ich muss also keine Teller waschen. Dafür gibt es das Kombiangebot nur mit Schinken- oder Salamipizzastück. Egal, dann halt nur die Minikäsepizza mit Softdrink. Kostet unter 4 Euro, zur Not bestelle ich noch eine. Ich stelle mich ans andere Ende der Theke und warte darauf, dass mein Name aufgerufen wird.

23.55

Die Damen in den roten Shirts und mit Haarnetz arbeiten unter Hochdruck. Zackzack werden vier Pappbecher aufgefüllt, an jede Ecke des Tabletts gestellt und die Pizzapackungen schließlich darauf abgestellt. Ich frage mich, was passiert, wenn jemand weniger als vier Softdrinks bestellt.

23.58

Ich werde langsam ungeduldig. Bei jeder Minikäsepizza, die auf dem Förderband aus dem Ofen hinter der Theke kriecht, denke ich, dass es meine ist. Vergebens.

00.03

Sieht gut aus! Ein einzelner Becher, auf dem ein zwinkernder Smiley abgebildet ist, wird mit Cola gefüllt und auf ein Tablett gestellt. Fehlt nur noch die Pizza.

00.04

Die Pizza kommt aus dem Ofen gefahren! Wir auch Zeit. Meine Beine sind schon ganz zittrig.

00.05

Das gibt’s doch nicht. Die Pizza geht an eine Frau, die EINDEUTIG nach mir bezahlt hat. Ich frage nach und die gestresste Mitarbeiterin vertröstest mich weitere fünf Minuten.

00.08

Der ganze Essensbereich ist inzwischen zum Bersten voll. Sogar an „meiner“ Wand ist kein Platz mehr frei. Ich frage mich, ob die ganzen Jugendlichen ohne Gepäck wohl ihren Abendausflug zum Piizaladen am Flughafen machen.

00.10

Mein Becher mit der inzwischen sicherlich schon abgestanden Cola steht weiterhin einsam auf dem Tablett. Der Smiley zwinkert mir weiterhin blöde zu. Ich überlege, ihm die Zunge herauszustrecken.

 

00.12

Zwei Minikäsepizzen fahren aus dem Ofen und werden in Pappkartons gepackt und einer Frau überreicht, die mit absoluter Sicherheit nach mir dran war. Wenigstens ist an der Wand wieder ein Platz frei geworden.

00.15

Endlich! Meine Geduld war langsam auch zu Ende. Ich benutze meinen Rucksack als Tisch, stelle mein Tablett darauf ab und genieße meine Minikäsepizza. Mit Oreganopulver und in die „Special Garlic Dipping Sauce“ (die wie warme, weiche Knoblauchbutter schmeckt) auf jeden Fall ein Genuss.

00.22

Frisch gestärkt beschließe ich, dass nun der Zeitpunkt gekommen ist, meine Flughafenerlebnisse zu dokumentieren.

0.42

Ich verliere mich in der Vorgeschichte. Aber die ist schließlich auch spannend. Wer sie nicht lesen will, kann ja einfach runterscrollen.

1.30

Ich bin an dieser Stelle im Text angekommen. De Foodcourt ist immer noch gut gefüllt, aber nicht mehr zum Bersten. Sobald ein Stuhl frei wird, räumt ihn das Flughafenpersonal zur Seite und stapelt ihn auf. Das hindert neu ankommende Gäste nicht daran, sich einfach wieder einen Stuhl vom Stapel zu nehmen. Meine Angst vor einer einsamen Nacht am Flughafen war auf jeden Fall unbegründet, zumindest bisher.

1.33

Noch knapp vier Stunden bis ich einchecken kann. Die Zeit vergeht hier doch wie im Fluge, haha.

1.35

Zeit für einen Verdauungsspaziergang durch den Bereich vor den Abfluggates. Zu meinem Erstaunen sind alle Geschäfte geöffnet. Ich habe noch nie einen Flughafen erlebt, an dem nachts so viel los ist. Andererseits versuche ich normalerweise auch zu vermeiden, nachts viel Zeit am Flughafen zuzubringen.

1.36

Ich komme an einer Abflugtafel vorbei und schaue, was der 7. Flug von oben ist. In Mainz am Bahnhof habe ich mir immer den 7. Zug angeschaut und vorgestellt, dass ich zu diesem Ziel fahre. Heute wäre mein Ziel Panama. Da will ich momentan nicht unbedingt hin.

1.38

Ich versuche es noch einmal. Immer noch Panama.

1.39

Ha, direkt um die Ecke verbirgt sich also die inoffizielle Flughafenlounge. In einem Gang haben sich rechts und links Leute auf den Boden gelegt und schlafen. Ich setze mich dazwischen auf den Boden.

1.40

Ich habe die grandiose Idee, dass jetzt die Zeit gekommen ist, Spanisch zu lernen. Ich hole mein Übungsbuch aus dem Rucksack und schaue mir unregelmäßige Vokabeln an.

1.50

Ich gebe auf. Diese Nacht will nichts mehr in meinen Kopf hinein.

1.53

Ich lege mich hin, Bein über meine Reisetasche gelegt, Kopf auf dem großen Rucksack, Arm um den kleinen. Stecke mir Kopfhörer ins Ohr und versuche zu schlafen. Meinen Wecker habe ich vorsichtshalber auf 5.16 Uhr gestellt.

2.11

So richtig schlafen kann ich nicht, aber zumindest dösen. Ich überlege, meine Yogamatte aus der Reisetasche zu holen, entscheide mich dann aber dagegen, denn diese ist abgesperrt und außerdem randvoll.

2.45

Ich muss wohl doch eingenickt sein. Denn ich werde aufgeweckt. Von einem Sicherheitsbeamten, der das Schlafareal räumt. Innerhalb von einer Minute ist der komplette Gang frei. Was er mir auf Spanisch als Begründung für dieses wenig nette Verhalten mitteilt, verstehe ich in schlaftrunkenem Zustand nicht.

2.47

Toilettenpause. Weniger aus Notwendigkeit als weil ich nicht so recht weiß, wohin mit mir.

2.55

Ich schlappe mit meinen Taschen auf den Schultern durch den Flughafen. Ich entdecke eine neue „Schlaflounge“. Diese wird von einem Sicherheitsbeamten „bewacht“. Es scheint also erlaubt zu sein, sich hier niederzulassen.

Schlaflounge Nummer 2

2.56

Ich quetsche mich in das letzte verbleibende Plätzchen zwischen ein Pärchen und eine Frau und baue mir wieder mein „Bett“ auf.

3.00

Ich schlafe. Zwar wache ich alle 10 Minuten auf und der Schlaf ist auch nicht tief, aber besser als nichts.

4.44

Immer wieder blicke ich auf die Uhr, um nur nicht zu verschlafen. Habe ich in meiner Müdigkeit auch keine Zeitverschiebung vergessen? Diesen Fehler habe ich bei einer Zwischenlandung nämlich schon einmal gemacht…

5.16

Ich stelle den Wecker auf 5.30.

5.30

Ich stelle den Wecker auf 5.40.

5.38

Ich packe meine Sachen und schleppe mich müde zum Check In-Schalter. Der direkte Weg ist gesperrt, so dass ich einen Umweg über den Außenbereich nehmen muss.

5.40

Ich stelle mich in die Schlange.

5.43

Die beiden Damen, die das Handgepäck kennzeichnen sind verwirrt, weil ich bereits Anhänger an diesem habe. Sie reißen es ab und hängen noch einmal genau das gleiche dran.

5.48

Noch zwei Frauen mit viel Gepäck vor mir. Auf dem Gepäckwagen der Frau vor mir steht „Benutzung des Wagens auf eigene Gefahr“. Auf Deutsch.

5.55

Ständig werden Leute aus der Reihe für Passagiere, die Vorrang haben, drangenommen, so dass ich nicht zum Zug komme.

6.00

Ich bin dran! Die Check In-Dame fragt mich, ob ich Englisch oder Spanisch sprechen möchte. Englisch, sage ich auf Spanisch. Woraufhin sie mit mir Spanisch spricht. Es geht aber zu schnell, ich verstehe nichts und bitte sie dann doch noch einmal auf Englisch, mit mir Englisch zu sprechen. Sie hat Probleme mit meinem Ausweis, scheint sich aber alles regeln zu lassen, denn ich bekomme  schließlich meine Boardingkarte ausgehändigt.

6.11

Und das 7. Ziel auf der Tafel? Santiago! Yeah!

6.12

Kein Stau an der Sicherheitskontrolle, ich komme direkt dran.

6.22

An meinem Gate sitzen drei Personen. Ich laufe los, um nach Wasser zu suchen.

6.27

Nachdem ich fast komplett am anderen Ende des Flughafens angekommen bin, finde ich endlich Wasser. Für 3 USD die (kleine!) Flasche.

6.30

Der nächste Stand hat den gleichen Preis. Ich beiße in den sauren Apfel und kaufe eine Flasche. Schließlich sind es noch zwei Stunden bis zum Abflug.

6.35

Der Dutyfree Shop hätte Wasser für gut 2 Dollar gehabt. Mist. Wäre ein Schnäppchen gewesen…

6.38

Zurück an meinem Gate – dort ist inzwischen eine riesen Schlange. Ich bin verwirrt und quetsche mich nach vorne durch. Ah, ein anderer Flug wurde hierhin verlegt, deshalb die Menschenmassen.

6.40

Ich setze mich ans benachbarte Gate, das so gut wie leer ist. Finde sogar eine Steckdose. Glücksgefühle!

7.08

Mein Report ist fertig. Jetzt sollte nicht mehr viel passieren.

7.10

Ich versuche mit meinem Laptop noch mal 30 Minuten freies Internet zu bekommen.

7.13

Ja, es klappt!

7.25

Formatierung in WordPress ist abgeschlossen.

7.28

Ich lasse mich ablenken und lese Emails.

7.36

Mist, die Zeit wird knapp. Ich bin noch nicht mal halb durch mit dem Lesen.

7.37

Es gibt so einen Spruch, erst Fehler machen und sich dann dafür entschuldigen. Werde ich heute in Anspruch nehmen.

Nachtrag

Mag mag es kaum glauben, aber auch der nächste Flug sollte seltsam werden. Wir waren schon auf dem Rollfeld und bekamen endlich die Starterlaubnis. Die Motoren heulten auf, das Flugzeug startete los… und machte ein paar Sekunden später eine Vollbremsung. Der Pilot sagte durch, dass er uns in einigen Minuten mehr Informationen dazu geben würde, warum wir angehalten hätten. Der Grund war ein Hund auf dem Rollfeld. Drei seltsame Flugerlebnisse in drei Tagen! Ist das alles normal in Lateinamerika oder will mir das Universum etwas sagen?

 

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