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Muay Thai – eine erste Begegnung mit thailändischer Kampfkunst

Seit ein paar Wochen habe ich mir in den Kopf gesetzt, eine Kampfsportart lernen zu wollen. Am besten gleich „richtig“ in einem Camp. Nun das Problem ist nur, dass ich keine Ahnung habe, welche. Meine bisherige Erfahrung mit Kampfsport beschränkt sich nämlich auf drei Projekttage in Klasse 10, in denen ich in Karate reinschnuppern konnte.

Da kam es doch wie gerufen, dass in hundert Metern Entfernung von meiner Unterkunft in Langkawi ein Muay Thai Studio ist, in dem man und auch frau Thai Boxen lernen kann. Immer wenn ich die großen Werbeschilder im Vorbeigehen irgendwo sah (die ganze Ortschaft scheint voll damit zu sein), beschloss ich, dort vorbeizuschauen, hatte es aber meist genauso schnell wieder vergessen. Ein erster Kontakt über Facebook verlief im Sande, bis ich endlich in die Puschen kam. Kurzentschlossen bemühte ich noch einmal Facebook und kündigte mein Kommen für den nächsten Tag an.

Freundlich wurde ich von Chandra empfangen, der mich mit dem Chef bekannt machte. Beide wollten wissen, ob ich schon einmal Kampfsport gemacht hatte, was ich verneinte, und ob ich denn dann wenigstens anderen Sport machte. Hallo? Sah ich etwa so unsportlich aus? Meine Liste an Sportarten, die ich betreibe, schien sie ebenfalls nicht sonderlich zu beeindrucken.

Nach und nach kamen noch ein paar weitere Kampflustige. Neben mir war noch eine weitere Frau da, die aus Argentinien kommt. Chandra rief mir begeistert zu: „Das ist Sofia, sie trainiert vier Wochen bei uns, weil sie abnehmen will.“ Autsch, das ist ja eine ehrliche Einführung der anderen Gäste, dachte ich…

Dann ging es auch schon los. Mit Joggen. Mein absoluter Lieblingssport. Das war eine Lüge. Das Problem ist, dass ich nicht unbedingt schlecht darin bin. Nur macht es mir keine Spaß. Und ich bin zu ehrgeizig, um mich der Nachhut anzuschließen und in meinem Tempo zu laufen. Immerhin war es heute nicht ganz so heiß wie sonst. Und wir liefen zum Glück nur eine Viertelstunde.

Wobei das mit dem Glück relativ ist. Denn nach dem Joggen ist vor dem Seilspringen. Und DAS ist erst einmal anstrengend. Da nahm ich die Einladung, als Neuling nur fünf statt zehn Minuten zu hüpfen, dankbar an. Danach schickte man mich auf einen alten Autoreifen. Ich hatte keine Ahnung, was ich dort sollte, bis die Menschen neben mir anfingen wild auf dem Reifen hin- und herzuspringen. Puh, das war ebenfalls nicht ohne.

„Wie lange machen wir das jetzt?“, fragte ich hechelnd den Trainer, der vor uns stand und uns mit „Schneller, schneller“-Rufen anfeuerte. „Oh, eine ganze Weile“, antwortete er lächelnd. Dann kamen die Liegestützen. Ich war inzwischen schweißüberströmt. Ein verstohlener Blick auf meinen malaiischen Nachbarn zeigte mir, dass es für ihn noch keinen Grund zum Schwitzen gab.

Jetzt ging der spaßige Teil los. Meine Hände wurden einbandagiert (ich hatte mir schwarze Bandagen ausgesucht – und fand den Bad Girl Look ganz schön sexy), dann bekam ich die Basics gezeigt. Gerade Schläge, links, links, rechts. Rundhaken, Ellbogenschläge. Knieschläge. Fußtritte. Und dabei immer schön die Deckung wahren.

Danach wurde ich geheißen, mir Handschuhe anzuziehen. Jetzt durfte ich an den Boxsack und dort alle meine neuen Schläge, Haken und Tritte ausprobieren. Gar nicht so leicht, aber mein persönlicher Trainer ermutigte mich immer wieder aufs Neue und am Ende klappte es gar nicht so schlecht. Was bedeutete, dass meine Koordination besser und die Schläge fester wurden.

Endlich mal ein ordentlicher Tritt, dafür hapert es an der Deckung…

 

Plötzlich fand ich es gar nicht mehr so toll, dass Thai Boxen barfuß stattfindet. Mein Schienbein und meine Füße wurden immer röter und nach einem Fehltritt machte sich mein rechter großer Zeh schmerzhaft bemerkbar. Das hatte ich aber bald wieder vergessen, denn nun durfte ich in den Ring.

Nicht zum Kämpfen, nein, so schnell lässt sich Muay Thai dann doch nicht lernen. Aber zumindest die Vorstufe davon. Mein Trainer hatte sich mit gepolsterten Armen und Bauch im Ring aufgebaut und rief mir immer zu, welchen Tritt oder Schlag ich als nächstes ausführen sollte. Nach einer Eingewöhnungszeit funktioniert das ganz gut. Wenn mir ein Tritt gelungen war und ich es schaffte, mit voller Kraft in die Polster zu treten, war das durchaus ein Hochgefühl.

Nur beim Tritt in das Bauchpolster hatte ich so meine Hemmungen, da schätze ich meine Treffsicherheit einfach noch nicht präzise genug ein, um garantieren zu können, kein Unglück heraufzubeschwören. Ich dachte, das war jetzt ein schöner Abschluss des Trainings, aber Pustekuchen!

„Sofia zeigt dir jetzt noch die…“ – Duschen, hoffte ich inständig – „…Bauchmuskelübungen“, wies mich Chandra an. Juhee, dann also auch noch ein Training meiner Lieblingsmuskeln zum Abschluss. Auch das war eine Lüge. Nach vier verschiedenen Übungen gab es noch eine Zugabe. Der Trainer lief zu jedem von uns und während man Sit Ups machte, bekam man in der liegenden Position noch einen Schlag mit einem flachen Polster auf den Bauch. Den Fehler, den Bauch beim Herabsinken des Oberkörpers zu entspannen, machte ich nur einmal…

Nach zwei Stunden war es vorbei. Und ich fühlte mich prima! Schweißüberströmt, erschöpft, aber zugleich energiegeladen. So dass ich direkt noch ein paar Handstände auf der Matte machte, denn so eine Gelegenheit zum Üben bekomme ich so schnell nicht wieder. Die enthusiastisch vorgebrachte Einladung, direkt morgen wiederzukommen, wies ich dennoch freundlich ab. Vielleicht am Tag darauf. Wenn ich da nicht schon früh abreisen muss…

 

 

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