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Sich vier Tage lang an Deck eines Bootes beim Sonnenbaden die Meeresbrise um die Nase wehen zu lassen, während man durch die östlichen Inseln Indonesiens in den atemberaubenden Komodo-Nationalpark tuckert, bei täglichen Schnorchelausflügen mit etwas Glück mit einem Manta schwimmen, ab und zu auf einer abgelegenen Insel zu stoppen und von einem Hügel die Aussicht zu genießen oder an einem Traumstrand zu chillen. Und das vier Tage lang zu einem Preis, der mein tägliches Budget nur leicht übersteigt. Klingt verlockend, oder?

Mit dreißig Personen dicht an dicht auf dünnen Matten zu schlafen, bei jeder Mahlzeit um sein Essen, das nie ausreicht, zu kämpfen und – worst-case-scenario – sein Leben bei einem Schiffsunfall auf dem Grund der Floressee zu beenden hört sich schon weniger attraktiv an.

Diese beiden Versionen der mehrtätigen Bootsfahrt von Lombok nach Flores sind die beiden gängisten. Über sie bin ich bei meiner Recherche am häufigsten gestolpert. Während der Trip von vielen Backpackern als Höhepunkt ihrer Reise beschrieben wird, gibt es nicht gerade wenige Erlebnisberichte von Schiffbrüchigen, die sich in den unruhigen indonesischen Gewässern in lebensbedrohenden Situationen wiedergefunden haben.

Als mir eine Reisebekanntschaft das erste Mal von dem Cruise erzählt hat, war ich sofort begeistert von der Idee, mehrere Tage auf und im Wasser zu verbringen und dabei auch noch einen als Weltnaturerbe anerkannten Nationalpark kennenzulernen, der Heimat der berühmt-berüchtigten Komodowarane ist.

Nach einer ersten Onlinerecherche, war ich schon weit weniger enthusiastisch. Die Boote, auf denen täglich Backpacker von West- nach Ost-Nusa-Tenggara gebracht werden (und vice versa), sind den starken Strömungen und dem hohen Wellengang zwischen den Inseln leider nicht immer gewachsen und haben eine Tendenz zu sinken. Rettungsboot und Schwimmwesten? Fehlanzeige. Die Rettungsboote sind meistens viel zu klein und die Schwimmwesten, falls überhaupt , nicht in ausreichender Zahl vorhanden.

Risikoabwägung

Ich befand mich in einer Zwickmühle. Einerseits wollte ich den Cruise UNBEDINGT machen, andererseits war ich nicht bereit, mein Leben dafür aufs Spiel zu setzen. Ich überlegte hin- und her. Beschloss das Risiko in Kauf zu nehmen. Stolperte über neue Erfahrungsberichte zu Schiffsuntergängen. Entschloss mich dagegen. So ging das einige Wochen. Meine Zeit in Indonesien näherte sich langsam dem Ende, da mein – bereits verlängertes – Visum nun endgültig ablief. Ich verließ Bali und fuhr nach Lombok, von wo aus die Cruise-Touren starten. Ich holte verschiedene Angebote ein und packte meine Sachen: ein Rucksack für die Bootstour, einen weiteren – mit Laptop und DSLR –, den ich an Land lassen würde. Ich entschied mich für einen Touranbieter, der eine bessere Reputation hat, leistete eine kleinere Anzahlung und brachte die Sachen, die ich zurücklassen würde, zu einer Freundin. Am nächsten Tag um halb acht Uhr morgens sollte ich abgeholt werden. Und immer noch war ich mir unsicher, ob ich wirklich gehen sollte.

 

Ich versuchte das Risiko, so gut das ging, abzuwägen. Jede Woche treten mehrere Boote von verschiedenen Anbietern die Reise nach Flores – und zurück – an. In der Trockenzeit ist die See ruhiger. Aktuelle Berichte zu Kenterungen konnte ich nicht finden (was entweder bedeutete, dass ich schlecht recherchiert hatte, es der Vorfall nicht in die Weiten des Internets geschafft hatte oder dass es tatsächlich keine aktuelle Kenterung gab, was statistisch so interpretiert werden kann, dass das der nächste Schiffsbruch überfällig war…).

Ich prüfte nach, wie man sich im Falle eines Schiffsbruchs am besten verhält, um zu überleben. Und fand dabei heraus, dass ich meinen Überlebenswillen durch warme Gedanken an geliebte Angehörige nähren und dass ich vor Haien nicht fliehen (wohin auch…), sondern sie stattdessen laut anschreien sollte. Schließlich beschloss ich, zu gehen. Ein Schiffsbruch schien keinem Todesurteil gleichzukommen, sonst gäbe es nicht so viele Erfahrungsberichte im Internet. Ich redete mir gut zu, dass die Überlebensrate voraussichtlich höher als bei anderen Sportarten ist, die ich so praktiziere und bei denen das Risiko des Ertrinkens ein ständiger Begleiter ist.

Um das Ganze weiter zu relativieren: Täglich sterben drei Menschen bei Rollerunfällen in Bali (gelesen in Balilicous*, eine lesenswerte Lektüre für alle, die nach Bali / Indonesien reisen wollen, insbesondere Frauen) und die Wahrscheinlichkeit, in einen Rollerunfall verwickelt zu werden, schien mir wesentlich größer als einen Schiffbruch zu erleiden. Und Roller fuhr ich schließlich auch. Also auf in unbekannte Gewässer!

Tag 1

Morgens wurde ich relativ pünktlich in meiner Unterkunft eingesammelt. Zusammen mit anderen Abenteuerlustigen wurde ich nach Bangsal transportiert, dem Hafen, von wo aus fast alle – günstigen – Touranbieter ihre Törn zu den Komodoinseln starten. Vor Ort fand ich erst einmal heraus, dass ich nicht bei dem Anbieter gelandet war, den ich bei meiner Tourvermittlerin in Kuta Lombok gebucht hatte, sondern bei einem anderen. Nach fast zwei Monaten in Indonesien, kann ich nicht behaupten, dass mich das besonders überraschte und da ich sowieso nichts daran ändern können würde, beschloss ich, es einfach so hinzunehmen.

Nun war erst einmal Geduld angesagt, denn wir mussten geschlagene drei Stunden warten, bis es endlich aufs Boot ging. Natürlich im Café des Tourbetreibers, in dem man sich nicht nur registrieren und Bier, Softdrinks und Snacks für die Fahrt vorbestellen konnte, sondern auch verleitet war, das eine oder andere Getränk zu sich zu nehmen und zu frühstücken sowie Mittag zu essen. Als ich mich registrierte, war ich Nummer 24 in der Liste – unser Boot würde also definitiv nicht unterbelegt sein. Es gab noch ein weiteres Boot, auf dem fast vierzig Passagiere (plus Crew) untergebracht waren und das vor unserem ablegte.

Nach der Aufforderung, zum Steg zu gehen, ging alles ganz schnell. Innerhalb von zwanzig Minuten hatten alle ihr Gepäck im Bootsrumpf verstaut, eine Matte an Deck gefunden und unser Boot hatte abgelegt und sich Richtung Osten aufgemacht. Ich winkte meiner Giliinsel zu, auf der ich die ersten zehn Tage in Indonesien verbracht hatte. An Bord befanden sich fünfundzwanzig Passagiere. Zwei Frauen hatten eine Einzelkabine gebucht, der Rest schlief gemeinsam an Deck unter einer Plastikplane, die in Sitzhöhe angebracht war. Wer also nicht gerade neben den beiden Eingängen schlief, musste sich kriechend über die Matten der anderen fortbewegen, um zu seinem Schlafplatz zu kommen.

Unser Schlafbereich an Deck: 23 Matten dicht an dicht

 

Die Hälfte meiner Mitsegler kam aus Spanien und da sie meistens doppelt so laut wie der Rest der Anwesenden sprachen, konnte man bald das Gefühl bekommen, sich ebendort zu befinden. Die Nationalität der anderen Hälfte der Passagiere war gut verteilt: neben mir ein anderer Deutscher, drei Engländerinnen und eine Schottin, ein Holländer und eine Holländerin, ein Pärchen aus der Tschechischen Republik, eine US-Amerikanerin und zwei Australier.

Nach vielleicht einer Stunde machten wir bereits den ersten Stopp, um schwimmen und schnorcheln zu gehen. Ich sah einige leuchtend blaue Seesterne, übte meinen Handstand am Strand im schwarzen Sand und dann ging es auch schon weiter. Wir schipperten immer noch unweit der Küste Lomboks entlang, was länger dauerte, als wir alle angenommen hatten. Es gab noch einen weiteren Schnorchelstopp, bevor wie fürs Abendessen auf dem offenen Meer anhielten. Das Essen war lecker, aber nicht ausreichend. Es gab Reis, Tempe (fermentiertes Soja) und Kohl.

Ein Mitreisender, der schon vor Abreise nicht besonders gesund ausgesehen hatte, saß beim Essen auf dem Boden. Irgendwann beugte er sich vorneüber und begann zu würgen. Ich nahm an, dass er seekrank sei, aber sein Kopf wurde immer röter. Wir saßen alle mehr oder weniger parallelisiert um ihn herum bis einer der Spanier einschritt. Er ist Medizinstudent und schien im Gegensatz zu uns zum einen zu verstehen, was gerade passierte – der Mitreisende hatte sich verschluckt und bekam keine Luft mehr – und zum zweiten auch eine Idee zu haben, was in dieser Situation zu tun war.

Mit beherzten und gezielten Schlägen zwischen die Schulterblätter (ich ließ mir die Stelle später zeigen für zukünftige Notfälle) versuchte er erst das Husten zu unterstützen. Als das nicht half, nahm er den Brustkorb in einen Klammergriff und bohrte seine Faust zwischen die Rippen (medizinisch ist das sicher nicht korrekt ausgedrückt, aber für eine grobe Vorstellung sollte es reichen). Schließlich erbrach mein Mitreisender sich und konnte wieder atmen. Es stellte sich heraus, dass er sich an einem Stück Ananas verschluckt hatte, welches er mit Tee herunterschlucken wollte, welcher wiederum in die Luftröhre geraten war. Ich war mehr als dankbar dafür, dass wir den spanischen Medizinstudenten an Bord hatten, der ihm unter Umständen das Leben gerettet hatte. Ich möchte mir nicht ausmalen, was ansonsten passiert wäre.

Ich fasste den Vorsatz, meinen Erstenhilfe-Kurs bei nächster Gelegenheit aufzufrischen. Das Gefühl, Beinahezeugin eines Erstickungstodes geworden zu sein, verließ mich die nächsten drei Tage auf dem Boot nicht mehr. Gegen Mitternacht wurden die Motoren wieder angelassen und wir „segelten“ weiter, wobei der hohe Wellengang dazu führte, dass kaum jemand viel Schlaf bekam. Ich war dankbar, dass ich zumindest nicht seekrank wurde so wie einige meiner Mitreisenden.

Sonnenuntergang am ersten Tag

 

Tag 2

Das berühmte indonesische Backpackerfrühstück wartete nach dem Aufstehen bereits auf uns: Halbroher Bananenpfannenkuchen. Vormittags gab es einen weiteren Schnorchelstopp, bei dem ich neben zahlreichen unidentifizierten Fischen auch knotige Walzenseesterne gesehen habe (orangene Seesterne mit blauschwarzen vulkanartigen Ausbuchtungen auf der Oberfläche), einen blauen Trompetenfisch und verschiedene Seeanemonen. Wir schwammen auf die Medang-Insel, die der größeren Insel Sumbawa vorgelagert ist, wohin uns unser Beiboot (das kleine Holzkanu, das auch als Rettungsboot fungiert und in dem drei Personen Platz haben) unsere Kleidung und Fotokameras brachte.

Wir hatten nun etwa eine Stunde Zeit über die Insel zu wandern und das im Inselinneren liegende Dorf zu besichtigen, in welchem adrette Häuser auf Stelzen über dem Grund schwebten. Wir dachten, wir könnten eine Abkürzung zurück zum Boot nehmen, aber nachdem wir fast barfuß in zwei auf dem Boden liegende Ziegenbeine getreten wären, zügelten wir unsere Abenteuerlust und gingen doch wieder auf dem richtigen Weg zurück zum Strand.

Der nächste Stopp am Nachmittag war die Moyo-Insel, auf welcher wir circa fünfzehn Minuten durch den Regenwald zu einem Wasserfall wanderten. Da sonst niemand vor Ort war, hatten wir den Wasserfall ganz für uns alleine, badeten im natürlichen Whirlpool und ließen uns vom fließenden Frischwasser das salzige Meereswasser aus den verzottelten Haaren waschen. Zum Mittagessen gab es frischen Tunfisch mit Kohl und Reis. Das Essen war gut, wenn auch eher auf der schärferen Seite, aber wieder nicht genügend für alle.

Nun lag die längste Strecke vor uns, die wir am Stück im Boot zurücklegen würden: Neunzehn Stunden liefen die Motoren ununterbrochen! Die Wellen waren inzwischen höher, aber sahen noch nicht sehr erschreckend aus. Trotzdem ritt unser Boot auf jeder Welle hinauf und wieder hinab und ich hatte mit zwei meiner Mitseglerinnen meinen Spaß auf dem Bug des Bootes, bis eine von uns von einer Welle ins Bootsinnere gespült wurde und wir beschlossen dieses risikoreiche Spiel doch lieber sein zu lassen (das Ganze wurde auf Video gebannt – aber genau dieser Teil der SD-Karte ist auf mysteriöse Weise gelöscht worden. Und nein, ich war nicht diejenige, die sich nicht gut genug festgehalten hat…). Gelegentliche Wellen, die unser Boot seitwärst erfassten, gaben uns eine Idee davon, wie leicht unser Kahn umgeworfen werden könnte.

Unser Boot

 

Zum Abendessen gab es heute Tofu mit Reis und Kohl. Inzwischen hatten alle mitbekommen (oder es am eigenen Leib erfahren), dass das Essen nicht wirklich für uns alle reichte und was sich nun bei jeder Mahlzeit abspielte, ließ mich vermuten, dass wir mitten in einem versteckten Menschenexperiment steckten. Wenn die Essenszeit näherte, begaben sich nach und nach immer mehr Personen – möglichst unbemerkt von den anderen – in den Essensraum und versuchten eine gute Position für den folgenden Nahrungskampf einzunehmen. Sobald die Crew dann das Essen auf den Boden stellte, stürzten sich alle darauf, luden sich so schnell es ging von den verschiedenen Speisen auf den Teller und zogen sich dann aus dem Kreis der Kämpfenden in den Hintergrund der Arena zurück, um ihre Beute zu verschlingen. Kein schöner Anblick und definitiv eine der weniger angenehmen Erinnerungen. Wer nicht an dem Spiel teilhaben wollte, ging weitgehend leer aus.

Nach dem Abendessen entdeckten wir einen aktiven Vulkan, bei welchem man gegen den dunklen Nachthimmel die Lava am Kraterrand leuchten sah. Der starke Wellengang, der am Nachmittag begann, ließ die ganze Nacht nicht nach. Ich versuchte den sichersten Fluchtweg zu bestimmen, aber mit wenig Erfolg. Der Schlafbereich war mit Plastikplanen abgespannt und der Eingang war nachts auch mit einer Plane verschlossen… Trotz dieser Gedanken und wildem Auf- und Abgeschaukel schliefen diese Nacht alle erstaunlich gut.

Tag 3

Was für ein Ausblick zum Frühstück! Über Nacht hatten wir das nördliche Ende des Komodo-Nationalparks erreicht. Die Komodoinseln sehen landschaftlich anders aus als die Inseln von West Tengarra – Lombok und Sumbawa –, die wir die letzten beiden Tage passiert hatten. Steil ragten die Hügel und Berge auf den zahlreichen Komodoinseln in die Höhe, stellenweise sanft abfallend doch meistens spitz und faltig. Manche Berge sind bewaldet, bei anderen leuchtet die Erde braungelb. Bei diesem Anblick störte sich niemand daran, dass es ein kleines Downgrade im Frühstücksmenu gab, welches heute nur noch Pfannkuchen – ohne die obligatorischen Bananen – umfasste.

Wir stoppten an der Laba-Insel (auch Gili Laba oder Gili Lawa genannt), auf welcher man einen Hügel erklimmen konnte, von dem aus sich ein wunderschöner Ausblick auf die umliegenden Inseln eröffnete. Die Aussage unseres Guides, dass der Anstieg von circa dreißig Minuten in Flipflop mühelos zu bewältigen wäre, kann ich nur eingeschränkt bestätigen. Zu bewältigen ist er auf jeden Fall, müheloser wäre es bei teilweise steilen und rutschigen Stellen sicher in Turnschuhen gewesen. Auf dem Gipfel machten alle die obligatorischen Fotos und ich wanderte mit einem Australier und dem Deutschen noch etwas weiter, auf einen anderen Gipfel, der aber die vorherige Aussicht nicht toppen konnte.

Ausblick von der Laba-Insel

 

Da es auf den Hügeln keinen Schutz vor der Sonne gab und wir den Abstieg die Hälfte der Zeit auf allen Vieren rutschend zurückgelegt hatten, war ich über ein kurzes Bad im Meer sehr dankbar. Viel Zeit blieb uns allerdings nicht, denn die anderen Passagiere hatten alle den zweiten Gipfel ausgespart und warteten bereits auf unsere Rückkehr, denn es standen noch zwei weitere Attraktionen auf dem Programm heute.

Der erste Halt war von allen heiß ersehnt: Schnorcheln am Manta Point. Alle zwei Minuten schrie irgendjemand aus unserer Gruppe (oder von einem der vielen anderen ankernden Boote) „Manta, Manta“ und alle versuchten so schnell es ohne Flossen ging, dorthin zu schwimmen, aber ohne Erfolg. Einem weiteren „Manta, Manta“-Ausruf folgend versuchte ich mich an den Spanier zu hängen, der vor mir schwamm. Aber keine Chance, ich sah nur noch eine weiße Wolke aufgewühlten Wassers und dann war er abgezischt (Ironman, wie ich nachher erfuhr…). Das war ein Fehler, denn er und einer der anderen Spanier waren die einzigen beiden, die ein paar Exemplare der Riesenrochen erspähen konnten. Alle anderen auf unserem Boot gingen leer aus und wurden mit der Information getröstet, dass gerade Paarungszeit sei und Sichtungen deshalb nicht so häufig wie sonst.

Weiter ging es zum Pink Beach, der zwar nicht ganz so rot aussah, wie auf manchen Fotos, aber nichtsdestotrotz ein schöner Strand war, der mich vor allem auf der Mikroebene faszinierte: Die dem Strand – unter den richtigen Lichtbedingungen – seine rote Farbe verleihenden Korallen lassen sich wie tausende kleine Klitzerstücke im Sand ausmachen. Ich versuchte eine der Engländerinnen für Acroyoga zu begeistern und nahm auf diese Weise einen Kopf voll dieses besonderen Sandes als Souvenir mit.

Heute Abend sollte es noch ein weiteres Highlight der Tour geben, mit welchem ich nicht gerechnet hatte. Und nein, ich beziehe mich hierbei nicht auf die Party, bei der urplötzlich eine Diskokugel und riesige Musikboxen wie aus dem Nirgendwo in unserem „Esszimmer“ platziert worden waren und dieses in eine Disko verwandelt hatten. Zusammen mit einem der Australier, beschloss ich zu den in der Nähe ankernden Booten zu schwimmen. Wir wurden dort mal mehr, mal weniger freundlich, aber immer mit Erstaunen empfangen und hatten so die Möglichkeit, die Konkurrenz auszuchecken (die Boote sahen auch nicht besser aus als unseres). Jetzt aber zum Highlight: Es war fast Neumond in dieser Nacht und so konnten wir ausgiebig das fluoreszierende Plankton im Meereswasser bewundern. Bei jeder Bewegung im Wasser leuchteten zig kleine leuchtende Pünktchen auf! Ich ließ den Abend ausklingen, indem ich auf dem Rücken des Decks liegend den Himmel beobachtete und so viele Sternschnuppen sah, dass mir irgendwann die Wünsche ausgingen…

Sonnenuntergang im Komodo-Nationalpark

 

Tag 4

Heute wurden wir bereits früh geweckt. Mit Blick auf einen bezaubernden Sonnenaufgang fuhren wir zur Komodo-Insel, die die weniger bezaubernden, urzeitlichen Komodowarane beherbergt. Die Echsen, die auch Komododrachen genannt werden, sind die größten der Welt und können bis zu drei Meter lang werden. Bereits um sieben Uhr dockten wir an der Insel an und machten uns mit unseren mit Holzstöcken bewaffneten Tourguides auf die Suche nach den Drachen. Wie auch die Mantas haben die Komodowarana gerade Paarungszeit, was die Sichtungschancen verringert.

Doch wir hatten Glück, bereits nach zwanzig Minuten sahen wir abseits des Weges eine große Menschengruppe stehen. Sie bewunderten ein männliches Exemplar der Spezies, das sich müde in der Sonne ausruhte. Wie schnell die Echsen sein können, sahen wir bei der nächsten Sichtung, einem weiblichen Drachen, der flott den Weg vor uns überquerte. Die Weibchen sind kleiner, aber aggressiver als die Männer und so hielten wir schön brav Abstand.

Ein Komodowaran

 

Die Echsen sind sowieso eine Gattung für sich: Die Männchen können bis zu drei Meter lang werden, Sex dauert zwischen sieben und zehn Stunden, die Eier ruhen acht Monate im Nest – in dieser langen Zeit häufig behütet von der Mutter, was sie allerdings nicht davon abhält, die Jungtiere zu essen, wenn diese sich nicht schnell auf die Bäume verziehen, wo sie aus Furcht vor dem Hunger ihrer älteren Artgenossen die ersten Lebensjahre verbringen.

Beim Essen sind die Warane sowieso nicht besonders wählerisch: Hirsche, Wildschweine und Meeresschildkröten stehen ebenso auf ihrem Speiseplan wie der gelegentliche Wasserbüffel, welcher mit einem Biss vergiftet und dann solange verfolgt wird, bis er verendet. Hier kommt dann die soziale Ader des Komodowarans zum Vorschein – nicht dass der Eindruck entsteht, er sei ein Monster: Das Aas wird brav mit anderen Echsen geteilt, denn ein Wasserbüffel ist selbst für eine drei Meter lange Riesenechse etwas zu viel Fleisch. Die Komododrachen leben nur auf den Sundainseln im Komodo-Nationalpark. Neben der Komodo-Insel selbst gehört dazu noch die Rinca-Insel, die wir als nächstes besuchten und wo wir noch ein paar weitere Exemplare bestaunen konnten.

Den letzten Stopp der Tour machten wir auf der wunderschönen Kelor-Insel. Leider gibt es davon kein Foto, da wir wie üblich vom Boot aus an den Strand schwimmen mussten und das Beiboot dieses Mal zurückblieb. Von einem kleinen Hügel aus kann man den Strand und die dahinterliegenden Inseln bewundern. Der Strand hat die Form eines umgedrehten, schwungvoll geschriebenen Buchstabens U. Von einer Seite des Strandes zur anderen sind es nur wenige Meter. Das Wasser ist glasklar und hier könnte ich Stunden oder sogar Tage verbringen. Soviel Zeit blieb uns leider nicht mehr, denn unser Zielhafen in Labua Bajo war noch einige Stunden Fahrt entfernt. Schnell wurden noch Facebook-Kontakte und Telefonnummern ausgetauscht, das Gepäck aus dem Stauraum des Bootsrumpfes geholt und dann hatten es alle doch sehr eilig, von Bord zu kommen.

Blick auf Labuan Bajo

 

Nachtrag: Zwei Tage später erfuhr ich, dass gerade wieder ein Tourboot gesunken war. Im Komodopark. Von der Tourcompany, mit der ich eigentlich hatte fahren wollen. Die, die etwas mehr wert auf Sicherheit legen. Passagiere und Crew haben das Ereignis wohl unbeschadet überstanden.

Das Beste

  • Die beiden Tage im Komodo-Nationalpark
  • Die tolle Unterwasserwelt
  • Die Menschen an Bord
  • Auf dem Bug des Bootes zu sitzen, während es von einem Wellental zum nächsten schaukelt

Das weniger Gute

  • Der Guide – unserer war leider nicht sehr freundlich und Informationen gab es sparsam portioniert und nur zum Organisatorischen
  • Zu wenig Essen
  • Die Schlafmöglichkeiten
  • Die Sicherheitsvorkehrungen

 

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