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Reisereflexionen

Singapur  – ein erster Eindruck

Singapur ist einen Zwischenstopp wert: „Asien light“ wird es genannt und das finde ich eine passende Beschreibung. Wer das erste Mal in Asien ist, kann sich hier in sicherer – und sauberer, smogfreier – Umgebung an das asiatische Essen, die tropische Hitze und an den Linksverkehr gewöhnen. Man kann im Nobelrestaurant ebenso essen wie in einem Food Hawker (Essensstand), im berühmten Marina Bay Sands Hotel ebenso eine Suite mieten wie in einem günstigen Hostel unterkommen. Allen Restaurants und auch jedem preiswerten Essensstand ist einer der Buchstaben A, B oder C zugewiesen, welcher den hygienischen Standard ausweist – wobei C selten anzutreffen ist, aber auch hier würde ich mir keine Sorgen über die Qualität machen. Das leicht verständliche und sehr kostengünstige Metrosystem sowie bezahlbare Taxis und Uber ermöglichen es, auf eigene Faust die Stadt zu erkunden.

Sauber, organisiert, englischsprechend – Singapur = Asien light!

Englisch ist eine der vier Amtssprachen und so braucht man sich weder mit komplexen Schriftzeichen noch mit eigenen misslungenen Ausspracheversuchen herumzuschlagen. Natürlich hat das alles einen Preis. Mieten in der Metropole sind horrend, Alkoholkonsum kann man sich hier aufgrund der Kosten schnell abgewöhnen. Abgesehen davon, kann man jedoch einige sehr günstige Tage in Singapur verbringen, wenn man bei den Food Hawkern isst, mit der Metro fährt und sich auf kostenlose bzw. kostengünstige Aktivitäten beschränkt. Die wunderschönen Botanical Gardens liegen direkt an einer Metrostation und kosten keinen Eintritt und allabendlich locken beeindruckende öffentliche Licht- und Wassershows tausende Besucher und Besucherinnen in die Marina Bay Gardens und an die Marina Sand Promenade.

Kaugummiverbot und Effizienz

Was ich vor meinem Besuch von Singapur im Kopf hatte war vor allem das berühmte Kaugummiverbot und generell die Vorstellung von einer starken Reglementierung des öffentlichen Lebens mit heftigen Strafen für die Abtrünnigen. Damit verbunden aber auch eine gute Infrastruktur und generell eine gute Organisation. Nun ist Deutschland selbst ja ebenfalls berühmt dafür, effizient, strukturiert und organisiert zu sein. Aber Singapur spielt hier noch einmal in einer anderen Liga. Das Leben erscheint – natürlich nur aus meiner bescheidenen Perspektive – fast schon überorganisiert.

Irrfahrten schwer gemacht: U-Bahn-Fahren in Singapur

Erlaubt mir, das am Beispiel der U-Bahn auszuführen beziehungsweise der MRT, wie sie hier heißt:

Fangen wir beim Einsteigen an. Oder noch einen Schritt zurück, daran, wie der Bahnsteig aussieht. Jedes Gleis ist mit einer Glaswand vom Bahnsteig abgetrennt, in welche in regelmäßigen Abständen Schiebetüren eingelassen sind. Diese bleiben fest verschlossen, solange keine Metro stoppt. Sie sollen verhindern, nehme ich an, dass Gegenstände aufs Gleis fallen oder jemand aus Versehen über die Bahnsteigkante stolpert. Die Bahnen halten immer genau an den vorgegebenen Stellen, so dass die Türen der Bahn genau hinter denen der Glaswandtüren zu stehen kommen. Vor den Türen der Glaswand sind seitlich zwei Linien auf den Boden gemalt, die den Bereich kennzeichnen, in dem man warten darf, bis die Tür sich öffnet. Das führt in der Tat zu einem geordneten Einstieg. Zu Hauptverkehrszeiten stehen zusätzlich ältere Menschen – Altersarmut ist auch in Singapur ein Thema – mit orange leuchtenden Stangen wie einem Star Wars-Film entflohene Jedi-Hüter vor den Türen und stellen sicher, dass keine Fehler beim Einsteigen passieren.

„Ding, Dong, next Station: Tan Kah Kee“

Nun in der Bahn. Jede Bahn hat eine Anzeige mit den verschiedenen Stationen der Linie über den Türen. Die Bahnhöfe, bei denen man schon war, leuchten grün. Bei der nächsten Station, die kommt, blinkt ein grünes Lichtchen. Damit keine Missverständnisse entstehen, leuchtet zusätzlich noch ein orangener Pfeil, der in die Richtung des nächsten Bahnhofes zeigt. Darüber hinaus gibt es jede Menge Ansagen. Und wenn ich „jede Menge“ sage, dann meine ich das durchaus so. Sobald die Bahn eine Station verlassen hat, wird durchgesagt, welcher Bahnhof als nächstes kommt: „Ding, Dong, next Station: Tan Kah Kee“. Wenn die Bahn sich dem besagten Bahnhof nähert, heißt es dann wieder: „Ding, Dong, Tan Kah Kee“ und kurz vor der endgültigen Einfahrt dann nochmals „Tan Kah Kee“. Auf den in Dauerschleife laufenden Bildschirmen mit Belehrungsvideos zum richtigen Verhalten in der Bahn wird zudem eingeblendet, wo man als nächstes hält.

Wer hier falsch aussteigt, ist selber schuld.

Und wer eine Strafe bekommt für rechtswidrige Aktivitäten wie das Trinken aus der Wasserflasche (500 Singapur Dollar), das Mitbringen eines Schoßhündchens, was mit ebenfalls 500 Singapur Dollar vergleichsweise günstig zu Buche schlägt, oder der Stinkefrucht Durian (keine Spezifizierung der Strafe, was ein gutes oder schlechtes Zeichen sein kann) ebenso, denn auch hier weisen zahlreiche Verbotsschilder auf die Benimmregeln hin. Ach und den Bezinkanister besser auch zu Hause lassen, denn das Mitführen entflammbarer Objekte wird sogar mit 5000 Dollar Strafe belegt.

Neben diesen Strafen, führen die Regeln aber generell auch zu einem glatten Ablauf beim Bahnfahren. Und ich muss zugeben, dass man sich an diese Art der Bemutterung doch recht schnell gewöhnt. Als ein paar Touristen (phhh, Touristen) beim Einsteigen außerhalb des Wartebereichs standen, wurde ich doch etwas missmutig ob dieses Regelbruchs. Auch ist die Art und Weise der Steuerung der zigtausend Menschen, die jeden Tag die MRT benutzen, durchaus sinnvoll und ermöglicht einen reibungslosen Ablauf. MRT ist übrigens passenderweise die Abkürzung für „Mass Rapid Transit“.

Das Ende meiner Rebellion

Einmal habe ich mir dann doch ein wenig Rebellion erlaubt und bin noch schnell in die Bahn gehechtet als die Lampen über den Türen schon warnend geblinkt haben. Daraufhin hat die MRT-Tür mich kurz in ihrem Zangengriff festgehalten. Keine Ewigkeit, aber lang genug, um mir zu zeigen, dass dies ein No-Go war und ich mit meinem europäischen Individualismus hier nicht sehr weit kommen werde. Es war übrigens auch völlig unnötige Ungeduld, denn die nächste Bahn kommt schon in zwei Minuten…

Von Löchern in der Wand und Luftschutzbunkern

Was gibt es sonst noch für Kuriositäten in der doppeldeutig „Fine City“ genannten Metropole Singapur? Vielleicht noch das Loch in der Wand meiner Unterkunft: ein Allesschlucker, in welchem alles hinein Beförderte auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Ich kann mir gut vorstellen, wie die Hausangestellte zu ihren ungezogenen Pflegekindern sagt: „Und wenn du nicht brav bist, dann stecke ich dich in den Müllschlucker.“ Der Umgang der Singapurianner und Singapurianerinnen (einmal musste ich das schreiben, es sieht so schön aus!) mit ihren Hausangestellten wäre noch mal ein Kapitel für sich. Beispielsweise, dass die „maid“ häufig im – in Neubauten vorgeschriebenen – Luftschutzraum („bomb shelter“) wohnt, einem kleinen, fensterlosen Raum mit dicken Wänden. Ungefähr so groß, wie das Bett in meinem Bungalow auf Gili Air gerade ist. Aber das ist wie gesagt eine andere Story. Ebenso die Existenz der Luftschutzbunker an sich. Und der Düsenjets und Militärhubschrauber (inklusive der besonders furchterregenden nahezu symmetrisch aussehenden Chinooks), die den ganzen Vormittag über mir hin- und herflogen, während ich mit Blick auf den Pool und einem vietnamesischen Kaffee am Computer saß. Aber um darüber schreiben zu können, brauche ich noch ein paar Besuche mehr!

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