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Reisereflexionen

Nur wer Angst hat, braucht Mut!

Letztes Wochenende, bei meiner Geburtstags- und Abschiedsparty, kam eine Freundin zu mir und sagte mir mit Nachdruck: „Marlies, dass du alleine auf Weltreise gehst, finde ich echt mutig!“ Nun bin ich Komplimenten gegenüber durchaus aufgeschlossen, aber dieses hat sich irgendwie nicht richtig angefühlt. Ich antwortete ihr deshalb, dass ich mich auf die Reise freue und deswegen nicht besonders mutig fühlen würde. Dann sagte ich noch: „Nur wer Angst hat, braucht Mut“. Dass meine Freundin mich direkt bei der nächsten Gelegenheit noch einmal auf diesen Satz angesprochen hat und darauf, was er in ihr ausgelöst hat, habe ich zum Anlass einer Reflexion über das Angst haben und das Mutigsein genommen.

Zunächst einmal habe ich mich gefragt, wovor ich potenziell bei meiner in einigen Wochen anstehenden Weltreise Angst haben sollte. Als erstes fiel mir die Angst ein, mich alleine zu fühlen. Dann die Angst, überfordert zu sein – mit fremden Sprachen, ungewohntem Klima, neuer Infrastruktur und und und. Die Angst davor, zu scheitern, kam mir in den Sinn: mit meinen Plänen, die Welt zu erkunden, mich gleichzeitig selbständig zu machen – und dabei noch glücklich zu sein. Und schließlich noch die Angst, Menschen zu verlieren, seien es Freundschaften, die einschlafen, oder – viel schlimmer – Freunde und Familienmitglieder, die sterben. Diese Ängste kommen mir alle berechtigt vor und – den letzten Punkt einmal ausgenommen – beziehen sie sich alle auf Situationen, von denen ich mir relativ sicher bin, dass sie eintreten werden: Einsam werde ich mich ganz gewiss zwischendurch fühlen, überfordert auch und an dem einen oder anderen Projekt werde ich wahrscheinlich auch scheitern.

Da sich alle Punkte auf die Zukunft beziehen, finde ich es aber nicht gerade zielfördernd, jetzt schon Angst davor zu empfinden.

Außerdem kommen mir alle Punkte bewältigbar vor. Wenn ich alleine bin, suche ich mir Gesellschaft, rufe meine Eltern an, chatte mit meinen Freundinnen – im schlimmsten Fall fliege ich heim. Falls ich überfordert bin, trete ich etwas langsamer, nehme mal ein Taxi statt den Local Bus, suche mir Hilfe. Falls ich mit meinen Projekten scheitere, führe ich mir vor Augen, dass Scheitern oft besser ist, als Dinge gar nicht erst zu versuchen. Und falls wirklich jemandem, der mir sehr am Herzen liegt, etwas zustößt: Dann fliege ich, so schnell es geht nach Hause. Das wird je nachdem, wo ich bin, im schlimmsten Fall ein bis zwei Tage dauern. Als alte Optimistin, beschließe ich, dass das nicht passieren wird.

Und dann wurde mir etwas bewusst, das ich zuvor nie so klar gesehen hatte.

Meine Ängste, nicht zu verreisen – ich nenne sie mal die Konterängste – sind viel größer als die Ängste, da zu bleiben.

Ich habe Angst davor, Erfahrungen nicht zu machen, Länder nicht zu sehen, Menschen nicht kennenzulernen. Ich habe Angst davor, Bedürfnisse, die ich habe, zu ignorieren. Ich habe Angst davor, kulinarische Genüsse zu verpassen, Sonnenuntergänge am Strand nicht zu sehen, Berggipfel nicht zu ersteigen. Ich habe Angst davor, mich nicht so gut kennenzulernen, wie ich könnte. Ich habe Angst davor, meine wertvolle Zeit auf dieser Erde nicht gut genug zu nutzen. Ich habe Angst davor, in Träumen gefangen zu bleiben, anstatt zumindest zu versuchen, sie zu leben.

Ich habe Angst davor, nicht so glücklich zu sein, wie ich es mir für mich wünsche.

So lange die Ängste vor Veränderung so groß sind, dass wir da bleiben, wo wir sind, wird es keine Entwicklung geben. Wenn es nicht gerade dein Traum ist, um die Welt zu reisen, dann setze für „Veränderung“ das ein, was du erreichen möchtest, den Ort, wo du hin möchtest – physisch, psychisch oder emotional. Lass die Angst, dich weiterzuentwickeln, nicht der Grund für Stagnation sein. Wenn Angst lähmt, dann nimmt sie uns unsere Handlungsmacht.

Noch eine Sache ist mir klar geworden: Es lässt sich zwischen Gegenwartsangst und Zukunftsangst unterscheiden. Unter Gegenwartsangst verstehe ich die Angst, die beispielsweise in einer aktuellen Gefahrensituation auftritt. In der Psychologie würde man dazu aufgrund der Objektbezogenheit wohl Furcht sagen. Zukunftsangst hingegen ist ein abstrakter Gefühlszustand, der sich auf ein nicht klar definiertes Ereignis oder ähnliches in der nicht allzu nahen Zukunft bezieht.

Und jetzt zum Mut.

Mut existiert nicht ohne Angst.

Der Duden beschreibt Mut zum einen als Fähigkeit, bei Gefahr in Verzug die eigene Angst zu überwinden bzw. keine Angst zu zeigen, wenn eine Situation als angsterregend wahrgenommen werden könnte. Zum zweiten bezieht der Duden Mut auf die generelle Bereitschaft, etwas trotz vermutlich eintretender Nachteile zu tun – dies zielt also auf eine Charaktereigenschaft ab, wobei in diesem Fall die Angst nicht als Voraussetzung genannt wird. Ich bleibe dabei, dass es nach meinem Empfinden nur dann sinnvoll ist, von Mut zu sprechen, wenn Angst im Spiel ist. Mut ist demnach etwas, das nie extern gemessen werden kann, sondern ob eine Handlung mutig ist oder nicht, hängt immer davon ab, ob die Person Angst vor ihr hatte oder nicht.

Wenn dir jemand sagt, dass du Mut hast, dann sagt das erst mal mehr über die Ängste der Person aus, als über dich.

Das spannende ist ja nun, dort hinzuschauen, wo die eigenen Ängste liegen. Den Blick auf das so gern umschiffte Gebiet jenseits der Komfortzone zu werfen. Ein Freund von mir hat mir – genau im passenden Moment – aus seinem Kalender folgenden Spruch geschenkt:

Das, was du suchst, liegt auf der anderen Seite deiner Angst.

Wovor hast du Angst? Alleine zu reisen? Eine Kamera in die Hand zu nehmen? Auf fremde Menschen zuzugehen? Dich selbstständig zu machen? Mit etwas an die Öffentlichkeit zu gehen, das du noch nicht perfekt findest? Eine Beziehung zu beenden? Jemandem deine Liebe zu gestehen?

Egal, wovor du Angst hast – es lohnt sich, näher hinzuschauen. Überwundene Ängste können nicht nur befreiend wirken, sondern dir auch Möglichkeiten eröffnen, von denen du vorher nicht zu träumen gewagt hast. Oder von denen du nur zu träumen gewagt hast. Und jetzt den Mut verspürst, die Kraft hast, die Engergie besitzt, aus den Träumen Wirklichkeit werden zu lassen.

Deshalb: Augen auf, Mut an und Film ab!

Wie siehst du das? Kannst du meine Gedanken nachvollziehen oder bist du anderer Meinung? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar!

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There are 4 comments so far

  • Aleks
    2 Jahren ago · Antworten

    Du hast mir mit diesem Beitrag meinen Mut zurückgegeben..💝

    • Filmnomadin Author
      2 Jahren ago · Antworten

      War der abhanden gekommen? Das Gefühl hatte ich nie. Aber umso besser, wenn ich dir helfen konnte, deinen Mut zurückzuerlangen 😀

  • Yvonne Nadine
    5 Monaten ago · Antworten

    Dein Artikel, spricht mir aus der Seele und bringt so vieles nochmal auf den Punkt! Ich wünsche uns allen deshalb „Nur Mut!“ LG Yvonne

    • Filmnomadin Author
      5 Monaten ago · Antworten

      Danke, liebe Yvonne, das freut mich sehr! Viel Mut auch für dich, dann wenn du ihn wirklich brauchst! Liebe Grüße Marlies

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